Ralf Slabik: "Das ist für mich ein hohes Privileg"

Chef des Bochumer Tierparks

Ralf Slabik lebt seinen Beruf. Seit knapp vier Jahren ist er Chef des Bochumer Tierparks und kümmert sich dabei nicht nur um das Wohlergehen seiner Tiere, sondern plant auch neue Gebäude und soziale Projekte. Im Interview mit Michael Nickel spricht Slabik über Tierschutz, Herausforderungen und Horst-Kevin.

BOCHUM

, 08.03.2016, 16:19 Uhr / Lesedauer: 4 min
Ralf Slabik: "Das ist für mich ein hohes Privileg"

Ralf Slabik, 1960 in Bochum geboren, arbeitet seit 1987 für den Tierpark. 2012 wurde er Geschäftsführer. Hier im Bild mit seinem Lieblingstier: dem Schwarzspitzen-Riffhai

Wie geht es Horst-Kevin, Ihrem jüngsten Flamingo? Ralf Slabik: (lacht) Horst-Kevin entwickelt sich flamingogerecht. Er ist natürlich ob der Namensgebung nach wie vor in vielen Medien und Köpfen präsent, es gibt immer noch viele Nachfragen, wie er sich entwickelt. Mittlerweile ist er in der Gruppe beheimatet und hat die Anbindung an seine Artgenossen gefunden.

 

Sie sind seit fast 30 Jahren beim Bochumer Tierpark. Ihr Vorgänger Eduard Stirnberg war knapp 40 Jahre Chef. Sie sind es seit mittlerweile fast vier Jahren. Worauf blicken Sie besonders gern zurück? Slabik: Grundsätzlich halte ich es bei Rückblicken wie Albert Einstein. In die Vergangenheit zu blicken, ist nicht meine Stärke. Als positiv eingestellter Mensch schaue ich gerne in die Zukunft. Das sind auch die wesentlichen Aufgaben, die wir haben. Wenn ich aber trotzdem zurückschaue auf meine Zeit: Mit meinem damaligen Chef Eduard Stirnberg verbinden mich 25 Jahre gemeinschaftliches Wirken, das alleine ist schon eine sehr erfolgreiche Zeit, die sich über den Neubau des Aquariums, den Neubau des Fossiliums und die Schaffung der Nordseewelten erstreckt. Das letzte gemeinsame Projekt war es, dem Tierpark ein neues Gesicht zu geben. Dazu gehören die Eingangshalle und sieben neue Tieranlagen.

Wenn man konkret auf die letzten vier Jahre schaut, ist diese konsequente Entwicklung der Struktur und der Gehegebauten fortgeführt worden. Wir haben außerdem weitere Modernisierungsmaßnahmen eingeleitet, den Kiosk ausgebaut und 2015 eine moderne Schaufutterküche gebaut, die wir voraussichtlich im März eröffnen werden. Wir wollen und sind verpflichtet, jegliche Form unserer Arbeit transparent zu gestalten. So wird es auch mit der Küche sein, die Besucher können mit den Tierpflegern über eine Gegensprechanlage permanent in Kontakt treten. Andere Projekte werfen ihre Schatten voraus.

Sie bauen ein neues Verwaltungsgebäude... Slabik: Es ist nicht nur ein Verwaltungs-, sondern ein Multifunktions- und Sozialgebäude. Es werden moderne Strukturen für die Zootechnik und unsere Mitarbeiter geschaffen: zum Beispiel Umkleideräume, Aufenthaltsräume, Bibliotheken. Und es wird einen großen Veranstaltungsraum geben, der vor allem für unsere Zooschule gedacht ist. Mit den aktuellen räumlichen Kapazitäten gelangen wir deutlich an unsere Grenzen. Eines der Unternehmensziele ist die Weiterentwicklung der Bildungsarbeit, also ein naturkundliches Bildungszentrum. Dafür brauchen wir die Infrastruktur.

 

Was sind neben der Entwicklung der Bildungsarbeit die großen Herausforderungen, um den Tierpark dauerhaft attraktiv zu gestalten? Slabik: Grundsätzlich gesehen haben wir immer alle drei Säulen im Auge. Auf der einen Seite sind wir eine zoologische Einrichtung. Auf der anderen Seite – das gehört auch zu den herausragenden Ereignissen – sind wir mit unserer Fossiliensammlung seit 2013 ein anerkanntes Naturkundemuseum und damit in der Vereinigung Westfälischer Museen e.V.. Dieses Alleinstellungsmerkmal wollen wir weiterentwickeln. Die dritte wichtige Säule ist die Bildungsarbeit, die sich mit den Bereichen Zoo und Museum verquickt.

Runtergebrochen sehen wir unser Unternehmensziel in der Realisierung einer spannenden Naturerlebniswelt in Verbindung mit dem Naturkundemuseum zu den Themen Tier, Natur, Tierarten und Umweltschutz mit einem hohen Bildungsanspruch – mit einem möglichst perfekten Besucherservice auf einer wirtschaftlich abgesicherten Ebene.

 

Besteht die Möglichkeit, dass der Tierpark auch räumlich wächst? Slabik: Der Tierpark hat eine Fläche von 1,9 Hektar. Fläche ist für eine Einrichtung wie unsere aber nicht unbedingt ein Parameter, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Es gab in der Vergangenheit mal Überlegungen einer flächenmäßigen Erweiterung. Die Zukunft wird aber so aussehen, dass wir in den Größen, so wie sie jetzt sind, weiter existieren wollen. Wir haben etwa 4300 Tiere in 333 Arten, das macht uns zu einem der arten- und tierreichsten Zoos in NRW. Zugegeben auf einer Fläche, die – wenn man mal auf unsere direkten Nachbarn schaut – um das zehnfache kleiner ausfällt. 250.000 bis 300.000 Besucher im Jahr geben unserem Konzept aber durchaus Recht. Unsere Ambition lautet daher nicht, größer zu werden, sondern noch besser.

 

Tierschützer und Tierrechtler verbinden Zoos auch mal mit Tierquälerei. Wie lautet da Ihr Gegenargument? Slabik: Der Begriff Tierquälerei wird nicht von Tierrechtlern und Tierschützern benutzt, das wäre ein Straftatbestand, den würde niemand freiwillig unterstellen. Nicht nur der Tierpark Bochum, sondern auch alle anderen Zoos sehen ihre wichtigsten Aufgaben im Arten-, Tier- und Umweltschutz. Wenn Sie mich jetzt fragen: ‚Was sind Sie eigentlich?‘, würde ich sagen, ich bin auch Tierschützer. Der Bochumer Tierpark ist ja auch Gründungsmitglied des Tierschutzvereins Bochum, Hattingen und Umgebung e.V..

Ich selbst habe zu Studienzeiten ehrenamtlich als Tierpfleger für den Tierschutzverein gearbeitet. Ich engagiere mich auch heute noch, allerdings im Beirat des Vereins. Rechtlich gesehen werden wir von vielen Behörden kontrolliert, wir arbeiten eng mit verschiedenen Ämtern zusammen. Wir müssen für den Tierschutz eine Vielzahl von Auflagen erfüllen. Außerdem ist bei uns alles einsehbar, Bereiche ‚hinter den Kulissen‘ gibt es bei uns nicht mehr.

 

Wie sieht Ihr klassischer Alltag im Beruf aus? Slabik: Wer früh kommt, darf lange bleiben (lacht). Ich meine es positiv, wenn ich sage, dass eine solche Position mit hohem individuellen Einsatz einhergeht. Eine 70-, 80-Stunden-Woche ist da die Regel. Die Faszination für diese Berufswahl kam irgendwann vor vielen, vielen Jahren aufgrund der Begeisterung für Tiere. Die Rolle des Verantwortlichen führt unterm Strich dazu, dass man weniger Zeit für seine Pfleglinge hat. Im Laufe der Jahre gibt es eine Verlagerung in den Bereich der administrativen Tätigkeit.

Nach wie vor ist es für mich ein Arbeitsplatz, den ich sehr wertschätze, weil es ein Platz ist, an dem andere Menschen ihre Freizeit verbringen. Das empfinde ich als hohes Privileg. Durch die unterschiedlichen Verpflichtungen hält dieser Job aber auch jede Form von Bekleidung parat – von Gummistiefel bis Smoking.

 

Haben Sie daheim auch einen Zoo oder trennen Sie da, wie es so schön heißt, Berufliches und Privates? Slabik: Ich wohne hier auf dem Gelände, daher ist die Frage schwierig zu beantworten. Da ich im Zoo wohne, habe ich zuhause auch einen Zoo (lacht). Es ist schon eine recht enge Bindung. Ich versuche, zwei Mal am Tag den gesamten Betrieb und alle Tiere zu sehen. Die erste Runde klappt meistens während der normalen Arbeitszeit, wenn das Team noch da ist. Die zweite Runde ist dann schon eher die, die abends stattfindet und vielleicht auch schon ein Stück Freizeit ist. Das ist auch ein hohes Privileg: Ich kann alleine im Zoo unterwegs sein und kann völlig entspannt meinen Gedanken nachhängen, was ich auch gerne mache.

 

Welches ist Ihr Lieblingstier? Slabik: Ich bin begeisterter Meerwasseraquarianer. Auch wenn die Erdmännchen zu Bochums beliebtester Tierart gekürt worden sind und ich sie faszinierend finde, sind meine absoluten Favoriten unsere Schwarzspitzen-Riffhaie.