Randalierer dankt Polizisten für Schüsse ins Bein

Fußball-Training gestört

Schüsse auf einen Randalierer in Lütgendortmund haben für zwei Polizisten kein juristisches Nachspiel, da sie aus Notwehr handelten. Im Krankenhaus bedankte sich der Angeschossene in einer Vernehmung bei den Polizisten für die Schüsse ins Bein.

LÜTGENDORTMUND

, 24.05.2017 / Lesedauer: 3 min
Randalierer dankt Polizisten für Schüsse ins Bein

Vom Sportplatz Idastraße zog der Randalierer zu diesem Hinterhof am Lütgendortmunder Hellweg.

Am 5. April 2017 fiel der auf dem Sportplatz der SG Lütgendortmund an der Idastraße unbekannte Mann mit merkwürdigem Verhalten auf. Er öffnete Gullydeckel, hob Bänke an und wirkte auf Eltern, die das Training ihrer Kinder verfolgten, befremdlich – sie riefen die Polizei.

Auf Ansprache des ersten Streifenteams reagierte der 39-Jährige aggressiv: Einer Polizistin verpasste der Mann einen Kopfstoß. Einen Kollegen von ihr verletzte der Angreifer mit einem Schlagstock schwer – dann flüchtete er in einen Wohngebiet. Die beiden Polizisten sind wieder im Dienst.

Mit Spaten, Steinen und Holzpfählen geworfen

In einem Garten stellten ihn zwei weitere Polizisten. Oberstaatsanwalt Carsten Dombert: „Der Beschuldigte hatte sie dort wahllos mit Spaten, Steinen und angespitzten Holzpfählen beworfen. Aus meiner Sicht blieb ihnen nichts anderes übrig, als dem Mann gezielt ins Bein zu schießen.“ 

Zuvor sprachen den Polizisten ihn an und feuerten auch mehrere Warnschüsse in den Boden ab – laut Carsten Dombert konnten sie mit einem Zaun im Rücken nicht mehr zurückweichen. Mit einem gezielten Treffer erzeugte ein Polizisten einen Oberschenkeldurchschuss - der Verletzte liegt immer noch im Krankenhaus.

"Sorgfältig ermittelt"

Um in diesem Fall die Neutralität zu wahren, ermittelte die Kriminalpolizei in Recklinghausen. „Die Polizisten dort haben sehr sorgfältig ermittelt“, sagte der Oberstaatsanwalt am Dienstag (23. 5.), also sieben Wochen nach der Tat.

Bei der Vernehmung im Krankenhaus habe sich der Mann bei ihnen dafür bedankt, dass ihm „nur“ ins Bein und nicht in den Kopf geschossen worden sei. "Das klingt makaber, aber er hat es gesagt. Er zeigt Reue", berichtete der Oberstaatsanwalt. Seinen Dank sollten die ihn vernehmenden Polizisten den Einsatzkräften aus dem Garten ausrichten.

Randalierer droht eine Haftstrafe

Gegen den 39-Jährigen, der in der Nähe des Sportplatzes wohnt, ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, gefährlicher Körperverletzung und versuchter gefährlicher Körperverletzung. Im Falle eines Schuldspruchs droht dem Mann eine Haftstrafe (sechs Monate bis zehn Jahre).

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Zur Tatzeit soll er unter dem Einfluss von Drogen gestanden und familiäre Probleme gehabt haben. Auf den Inhalt einer fast vollständig entleerten Pfefferspraydose reagierte er damals nicht. Drogenkonsum kann die Wirkung von Pfefferspray aussetzen. Der Einsatz von Pfefferspray war mehrmals ein Thema in nordrhein-westfälischen Landtag, so auch im Mai 2015.