Rasant, brutal, tiefgründig

BOCHUM Im Lichtkegel stehen sich distanziert zwei Menschen gegenüber und blicken wie vor einem unsichtbaren Spiegel ins Leere. Vieles hat sich verändert für Danny (Sascha Nathan) und seinen Bruder Lee (Alexander Maria Schmidt).

von Von Nadja Schöler

, 14.01.2008 / Lesedauer: 2 min
Rasant, brutal, tiefgründig

Nach Dannys (Sascha Nathan) Rückkehr aus dem Irak will auch seine Exfreundin Marley (Claude De Demo) nichts mehr von ihm wissen.

"Motortown", geschrieben vom jungen englischen Dramatiker Simon Stephens, ergründet die psychische Veränderung eines jungen Soldaten, für den nach seiner Rückkehr aus dem Irakkrieg nach England nichts mehr ist, wie es war. Seine Freunde sind ihm fremd, weichen ihm aus, seiner Exfreundin Marley (Claude De Demo) macht er Angst.

Regisseur Dieter Giesing lässt neben schnellen Worten Mimik und Gestik sprechen. Entfremdet, misstrauisch und gleichgültig begegnen sich die Protagonisten. Die Hände in den Taschen, blicken sie aneinander vorbei. Szenen wechseln schnell und abrupt, ernste Themen werden nur angeschnitten. Nichts wird konkret, Gespräche driften ins Absurde. Der schmierige Paul (Felix Vörtler) wirft nebenbei (eine Waffe ladend) Kritik an politischen und gesellschaftlichen Konstrukten ein: "Der Krieg gegen den Terror ist ein Krieg gegen ein Phantom."

Krieg hinterlässt Spuren

Ebenfalls über beiläufige Bemerkungen wird klar, was Danny im Krieg erlebt hat und dass dieser Spuren bei ihm hinterlassen hat. Er erzählt von Folterungen, hat aber "nicht mitgemacht", lädt sie sich nur aufs Handy. Er wird zunehmend gewalttätiger und schließlich zum Mörder.

Vor dem in Farbe getauchten Bühnenbild von Janina Audick kontrastieren Pop-Songs mit der Handlung (Musik: Jörg Gollasch). Neben Krieg, Mord und Gewalt kommen die Gespräche auf iPods und Britney Spears. Schauspieler Sascha Nathan verkörpert perfekt den scheinbar unberührten, aber tief enttäuschten Soldaten.

Für "Motortown", das 2006 in London uraufgeführt wurde, hat Autor Simon Stephens auch in Deutschland viel Lob geerntet. Die Bochumer Inszenierung ist rasant, brutal und tiefgründig. Sie legt dar, wie Misstrauen und Ablehnung zu Gewalt führen können, wie Krieg die eigene Sichtweise verändert. Jede Szene ist ein Stück in sich. Genauso plötzlich wie der Szenenwechsel kommt nach rund einer Stunde das Ende - und lässt den Zuschauer nach begeistertem Beifall nachdenklich zurück.

Termine: 15./19./26.1., Karten unter Tel. (0234) 3 33 35 12.