Rassismus-Vorwürfe gegen Bochum Total

Post bei Facebook

Die Vorfreude auf den Start von Bochum Total ist am Donnerstag getrübt worden. Der Grund: Ein Facebook-Post auf der offiziellen Seite des Festivals, der sich explizit an "arabisch sprechende Gäste" richtete. Nach zahlreichen Reaktionen in sozialen Netzwerken ruderte der Veranstalter noch vor Festival-Beginn zurück.

BOCHUM

, 14.07.2016, 18:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Band Giant Rooks bildete am Donnerstag den musikalischen Auftakt auf der Einslive-Bühne. Zuvor wurde in den sozialen Netzwerken bereits viel über das Festival diskutiert – allerdings nicht über die Musik.

Die Band Giant Rooks bildete am Donnerstag den musikalischen Auftakt auf der Einslive-Bühne. Zuvor wurde in den sozialen Netzwerken bereits viel über das Festival diskutiert – allerdings nicht über die Musik.

"Hier mal ein paar gut gemeinte Infos und Tipps für unsere arabisch sprechenden Gäste." Mit diesem Satz beginnt die deutsche Version der Nachricht, die am Mittwochabend auf der offiziellen Facebook-Seite von Bochum Total auch auf Arabisch veröffentlicht wurde. Darin heißt es unter anderem, dass "die Deutschen auf ihre Art feiern und dass viel Alkohol getrunken wird", Frauen wollen nicht "angebaggert oder bedrängt" werden. Ein weiterer Tipp an die "arabisch sprechenden Gäste", die "erst vor Kurzem in unsere schöne Stadt gekommen sind"? Zurückhaltend verhalten und das Fest genießen.

Mehr als 200 Kommentare

Diese Nachricht der Festival-Veranstalter ist ordentlich nach hinten losgegangen. Bis Donnerstag-Nachmittag sammelten sich mehr als 200 Kommentare alleine bei Facebook, auch beim Kurznachrichtendienst Twitter hagelte es Kritik. Ein Nutzer fragte: "Ist das jetzt für Bochum Total oder den AfD-Parteitag?" Andere kündigten an, aufgrund des Postings auf einen Besuch des Festivals verzichten zu wollen. Auch mehrere Bands reagierten auf das Bochum-Total-Posting. So schrieben "Leoniden", "Astairre" und "Lygo" in einer gemeinsamen Stellungnahme bei Facebook: "Das hier geteilte Statement des Veranstalters befeuert auf dümmste und stumpfste Art Stereotype und Klischees aus dem gegenwärtigen 'Flüchtlings-Diskurs'". Die Bonner Gruppe "Lygo" erwägt sogar, auf ihren für Samstag geplanten Auftritt zu verzichten. Eine Entscheidung hierüber soll am Freitag fallen.

Zeitnah folgte auch Kritik von der Flüchtlingshilfe-Organisation "Refugee Strike Bo": "Wir finden, dass es eine Schande ist, zu einer Veranstaltung in einer solch unverantwortlichen Art und Weise einzuladen." Es sei unverantwortlich, weil die Autoren des Textes anscheinend über kein Wissen über die Gesellschaften verfügten, aus denen Geflüchtete nach Deutschland kommen und jetzt ein falsches Bild über diese verbreiteten.

 

Hallo @bochum, das ist Rassismus. #Bochumtotalpic.twitter.com/ddrca4ZK1g

— Kurt Borsig (@borsigplatzecho)

 

Nach der geballten und massiven Kritik löschten die Veranstalter den ursprünglichen Post kurz vor Festivalbeginn gestern Nachmittag. In einer Richtigstellung heißt es: "Wir distanzieren uns hier jetzt mal nachdrücklich von allem, was an unserem Text in arabischer Sprache falsch verstanden wurde, oder was möglicherweise falsch übersetzt wurde." Der Text sei von einem libanesischen Flüchtling verfasst worden. "Wir wollen damit informieren und nicht diskriminieren", heißt es weiter.

Bochum-Total-Gründer und -Veranstalter Marcus Gloria meldete sich am frühen Abend selbst zu Wort. "Ich habe die Posts zum arabischen Text gelesen. Ist leider total daneben gegangen und wir haben den Text runtergenommen. Tut mir leid, wenn wir jemanden verletzt oder irritiert haben", schrieb er bei Facebook. Bleibt abzuwarten, inwieweit der missglückte Post bis Sonntag ein Thema beim Festival bleibt.

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