Rebecca Horn lässt Kunst hämmern

Lehmbruck-Museum

Die Bildhauerin Rebecca Horn ist ein Weltstar, in Duisburg erhält sie nun den Wilhelm-Lehmbruck-Preis als erste Frau. Sie bedankt sich mit einer Ausstellung, in der es aber auch Stille zu entdecken gibt.

Duisburg

, 23.11.2017, 18:14 Uhr / Lesedauer: 1 min
Rebecca Horn lässt Kunst hämmern

Der „Schildkrötenseufzerbaum“ entstand 1984. Foto: Jäger © Jäger Ruhr Nachrichten

Um das Kicher-Thema mal gleich vorwegzunehmen: Ja, die Bildhauerin Rebecca Horn hat auch einen Penis geschaffen, der sich im Zeitlupentempo auf die Öffnung einer großen Muschel zubewegt. „Liebesflucht/Muschelschlaf“ heißt das Werk. Und es ist keineswegs pornografisch. Sondern es hat jenen feinen Witz und jene eigenwillige Poesie, die das Werk von Rebecca Horn auszeichnen. Ihre Schau „Hauchkörper als Lebenszyklus“ ist eine Ausstellung, die kein Kunstfreund verpassen sollte.

Mit 10.000 Euro dotiert

Denn Horn ist ein Weltstar aus Deutschland. Am Freitag erhält sie als erste Frau den mit 10.000 Euro dotierten Wilhelm-Lehmbruck-Preis der Stadt Duisburg. Die Ausstellung ist ihr Dankeschön. Die Teilnahme an der Pressekonferenz am Donnerstag musste die 73-Jährige wegen gesundheitlicher Probleme jedoch absagen. Sie hat vor zwei Jahren einen Schlaganfall erlitten, sitzt seitdem im Rollstuhl.

Verblüffend, dass diese Erkrankung „kreative Schübe“ ausgelöst hat, wie sie der Museumsdirektorin Söke Dinkla im Interview erzählt hat. Horn: „Novalis sagte einmal sinngemäß, dass Krankheit einem Flügel geben kann.“ So entstanden die „Hauchkörper“, die in Duisburg zu sehen sind – schwarze Platten mit goldenen Speeren, die sich (mit Hilfe leiser Motoren) sanft wiegen – wie Schilf am Rand eines Sees, anmutig, elegant, meditativ. Eine Einladung, die Langsamkeit zu entdecken. „Es ist ein Neuanfang“, so Horn.

Doch auch ihre älteren Arbeiten bewegen sich selbst und uns Betrachter so frisch wie am ersten Tag. Motoren steuern den „Schildkrötenseufzerbaum“, der bedrohlich wackelt, oder die „Pfauenmaschine“, die ein Rad schlägt. Wer hätte gedacht, dass Ästhetik, Technik und Ironie so gut zusammenpassen? Überall klingt, klongt und scheppert es wie beim „Dialog der Hämmer“, die auf die Wände einschlagen. Da passt es gut, dass die Glashalle des Museums saniert wird.

Lehmbruck-Museum Duisburg: „Hauchkörper als Lebenszyklus“, 25.11.2017-2.4.2018, Friedrich-Wilhelm-Str. 40, Di-Fr 12-17, Sa/So 11-17 Uhr, Katalog 39,80 Euro.