Rechte Szene wandelt sich

WITTEN Welche Rolle spielt die Rechte Szene in Witten? Diese Frage beleuchtete am Samstag eine Veranstaltung im Haus der Jugend.

von Von Martin Schreckenschläger

, 28.01.2008, 06:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gemeinsam mit der Theatermacherin Beate Albrecht richteten das Amt für Jugendhilfe und Schule und Juso Dennis Sohner diesen Aktionstag gegen Rechtsextremismus aus. Etwa 100 Menschen, darunter auch eine Hand voll aus der rechten Szene, fanden sich im Haus der Jugend ein, um das Theaterstück „Hin&Weg.sehen“ (wir berichteten von der Premiere) zu verfolgen.

Ungebetene Gäste

Dem Vortrag der Aussteigerbeauftragten Silvia Eilhardt zur Situation in Witten folgten die ungebetenen Gäste noch, verließen jedoch bald darauf den Saal. Eilhardt, in Witten Ansprechpartnerin für Aussteiger aus der rechtsextremen und, einzig in Deutschland, der satanistischen Szene, zeichnete ein erschreckendes Bild: Ihr Klientel ist häufig minderjährig, in einem Fall erst zwölf Jahre alt. Einmal mit ihr im Kontakt, gelingt den meisten der Ausstieg ohne Rückfälle. Doch die Szene trifft Vorkehrungen, bindet rekrutierte Kinder und Jugendliche über ‚Hauskreise', getarnt als Tagesmutter-Betreuung. „Dort kann ich sie dann nicht mehr erreichen“, musste Eilhardt feststellen. Untersagungen führen nur zu Verlagerungen.

Trotz brutaler Übergriffe in den letzten Jahren ist das Potential in Witten weit höher, als es sich öffentlich zeigt. Offenbar wird die Stadt als sicheres Rückzugsgebiet benutzt, denn zu Veranstaltungen in Dortmund oder Bochum werden Busladungen mit 80 bis 100 Jugendlichen aus Witten aufgeboten. „Die Szene hat sich gewandelt. Ist an der Kleidung nicht mehr einfach zu erkennen.“

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion bezogen überregionale Entwicklungen ein. SPD-Präsidiumsmitglied Christel Humme und die Abgeordnete der Links-Partei, Ulla Jelpke aus Dortmund, vertraten die Bundespolitik, Dr. Lazaros Miliopoulos (Uni Bonn) die Forschung und Ingmar Wichert (Bündnis 90/Die Grünen) die Kommunalpolitik. Sie zeigten auf, dass die rechte Szene derzeit in jedem Quartal 40 Großveranstaltungen organisiert und dass kleine Veranstaltungen gar nicht erfassbar sind.

In allen Schichten

Nicht ausschließlich durch soziale Vernachlässigung ist das rechte Potenzial begründet, sondern es findet sich in allen Schichten der Bevölkerung. Auch in Witten sitzen gewählte Vertreter vermeintlich teilnahmslos im Rat. Uneinigkeit herrschte zu wirksamer Prävention und den Vereinnahmungsversuchen durch Vertreter der Volksparteien. Jelpke: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!“