Redemptoristen feiern letztes Weihnachten

Kloster Maria Hilf

Heiligabend bei den Redemptoristen am Imbuschplatz: 16.30 Uhr meditative Einstimmung, 17 Uhr feierliche Christmette. Soweit die nüchternen Fakten, die nichts über das Außergewöhnliche dieser Weihnachtstage aussagen. Es sind die letzten in der Klosterkirche.

BOCHUM

von Von Thomas Aschwer

, 24.12.2010, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ehemalige Sänger, Messdiener, Nachbarn: Groß sei bei vielen die Trauer, dass das Kloster jetzt schließt, berichtet Pater Wolfgang Gerhard. Er atmet tief durch und sagt mit leiser Stimme: "Der Abschied tut weh." Mit Unterbrechungen war er 27 Jahre am Ende in Bochum. Seit 2005 als Superior. Voraussichtlich Ende Januar/Anfang Februar wird er als letzter "das Licht ausmachen". Wie schwer das ist, hat er 2003 erfahren. Im münsterländischen Rheine. "Was bleibt, ist Wehmut."Nachwuchs fehlt Schon viel früher - in den 80er-Jahren - stand Bochum auf der Schließungsliste der Redemptoristen. "Bischof Franz Hengsbach hat damals heftig protestiert", erinnert sich Pater Gerhard. So blieb das Kloster Maria Hilf in der Innenstadt auch zu seiner großen Freude erhalten. "Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets." Verbessert hat sich seitdem die personelle Situation des Ordens nicht. "Wir haben keinen Nachwuchs. " Mit 70 Jahren ist der Superior das jüngste Mitglied der Redemptoristen in Bochum. Vorzeichen des Abschieds Die anderen vier Patres und der einzig verbliebene Ordensbruder sind um die 80. Der Verstand sagt Pater Gerhard, dass die Redemptoristen deshalb jetzt auch Bochum aufgeben müssen. Die ersten Vorzeichen des Abschieds sind bei einem Rundgang bereits sichtbar. "Das ist nicht mehr geordnet", entschuldigt sich Pater Gerhard für das leichte Chaos in der einst gut sortierten Bibliothek. In einigen Regalen tun sich große Lücken auf, an anderer Stelle liegen Bücher auf einem Stapel, die so nicht zusammen gehören.  Wehmut schwingt mit Für den Nachmittag habe sich ein Interessent angesagt. "Die anderen Niederlassungen des Ordens haben ja eigene Bibliotheken", berichtet der Superior und gibt Einblick in seine Gefühlslage. So wie er das sagt, schwingt viel Wehmut in seinen Worten mit. Eine Einschätzung, die sich verstärkt, als er das System einer Stecktafel erklärt. Anwesenheit und Aufgaben sind hier auf einen Blick sichtbar. Was vor Jahren sinnvoll schien - in langen Reihen standen Menschen zur Beichte an - wirkt heute wie ein Relikt vergangener Tage. Gewaltige Veränderungen Den Eindruck tiefer Depression will der Superior aber trotz der gewaltigen Veränderungen nicht entstehen lassen. "Wir resignieren nicht." Auch die Kirche habe immer Höhen und Tiefen erlebt. "Freu dich Erd und Sternenzelt, Halleluja" ist folgerichtig die Einladung der Redemptoristen zu den Weihnachtsgottesdiensten überschrieben. In der zweiten Januarwoche laden die Redemptoristen zu einer letzten Predigtwoche ein. Pater Johannes Hundeck, der auch 1993 zum 125-jährigen Bestehen des Klosters eine Chronik erstellt hat, wird sich beispielsweise mit dem Thema "Unsere Spuren - Gottes Spuren" auseinander setzen. Die Abschlussmesse am Sonntag, 16. Januar, zelebriert Bischof Franz-Josef Overbeck. Ab dem 17. Januar ist die Kirche geschlossen.Persönliche Gespräche Damit fehlt auch ein Angebot in der Stadt, das durchaus auf großes Interesse gestoßen ist. Mehr als 1000 Menschen haben allein in diesem Jahr im Kloster die Beichte abgelegt oder um ein persönliches Gespräch gebeten. Auch viele jüngere. Ihre Ansprechpartner werden in wenigen Wochen die Stadt verlassen. Und was wird aus dem Kloster? Superior Pater Gerhard zuckt mit den Schultern. "Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschossen." Entschieden werde über den Verkauf bei den Redemptoristen in Köln. Unglücklich scheint er nicht darüber zu sein. "Die Stadt hat bereits erklärt, dass sie einem Abriss zustimmen würde." Eine Option, die so manchem Kirchenbesucher beim letzten Weihnachtsfest in der Klosterkirche ein kaltes Schauer über den Rücken laufen lässt. Abschied tut weh.