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"Reden mit Mama": Premiere überzeugt nicht

Prinz-Regent-Theater

Mit der Adaption eines argentinischen Spielfilms feierte das Prinz-Regent-Theater die erste Premiere des Jahres. In „Reden mit Mama“ versucht ein Mittvierziger, seine Mutter zum Auszug aus ihrer Wohnung zu bewegen – und setzt ein Gespräch in Gang, das beider Leben verändert. Als Theaterabend funktioniert der Stoff aber nur bedingt.

BOCHUM

, 06.01.2015
"Reden mit Mama": Premiere überzeugt nicht

Doris Plenert darf glänzen, während das Stück »Reden mit Mama« für Christoph Wehr wenig Raum lässt.

Die ersten zehn Minuten der Premiere am Samstag, sie sind gut: Der feine, manchmal etwas böse Humor ist unterhaltsam, die Bühne, auf der Doris Plenert (Mutter) thront wie eine Königin, überzeugt und der Dialog zwischen Mutter und Sohn beginnt vielversprechend. Doch es gibt einen Punkt, ab dem es merklich bergab geht. Es ist jene Stelle, an der zum ersten Mal die beginnende Demenz der Mutter thematisiert wird.

Völlig aus dem Nichts heraus, beginnt sie Dinge zu wiederholen, unkonzentriert zu werden. Eigentlich völlig in Ordnung in einem Stück über eine alternde Mutter. Denn Demenz ist manchmal einfach da, wie ein Fremdkörper, der plötzlich auftaucht. Doch „Reden mit Mama“ weiß nichts damit anzufangen. Und so ist ab diesem Moment klar: Das Stück gibt sich klüger, als es ist. Freud wird da erwähnt, mehrfach, und vermutlich dachte sich Jordi Galcerán, der das Stück nach einem Drehbuch von Santiago Ovés schrieb, dass der einstündige Dialog zwischen Mutter und Sohn wie eine Therapie funktioniert. Aber das tut er nicht. Auch deshalb nicht, weil „Reden mit Mama“ kein wirklicher Dialog ist. Der Sohn, gespielt von Christoph Wehr, wird zum reinen Stichwortgeber degradiert. Nur an zwei Stellen, dem Anfang und dem Ende, blitzt das Potenzial hervor, das dieses Stück als leidenschaftlicher Dialog gehabt hätte.

Dass Christoph Wehr, der grundsätzlich eine gute Wahl für diese Personenkonstellation ist, farblos bleibt, ist genau diesem Umstand geschuldet. Ein Schauspieler kann eben nicht aufblühen, wenn er einfach nur der Totmannknopf ist, der den Monolog am Laufen hält. Doris Plenert hingegen hat in der Rolle der Mutter die Chance zu glänzen – und nutzt sie auch über weite Strecken. Doch selbst ihr Spiel verhindert nicht, dass immer wieder Längen entstehen. Denn Regisseur Tim Hebborn, frisch gebackener Absolvent der Regieklasse der Folkwang-Hochschule, fällt zu wenig ein, um die Mängel des Textes auszugleichen. Es ist kein schlechter Theaterabend, aber eben auch leider kein guter. Gerne würde man die beiden Schauspieler unter Hebborns Regie aber noch einmal in einem anderen Stück sehen – denn das größte Problem an „Reden mit Mama“ ist einfach das Stück selbst.  

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