Rehe fressen die Friedhofsgräber kahl

Mengeder Heide

Die Besucher des Mengeder Kommunalfriedhofs sind sauer. Der Grund: Die Gräber ihrer Angehörigen werden seit Februar regelmäßig verwüstet, die Bepflanzung zerstört. Doch auf dem Friedhof treiben keine Rowdys ihr Unwesen, sondern Rehe aus dem benachbarten Waldgebiet haben die Gräber als Nahrungsquelle entdeckt.

MENGEDE

von Von Karlheinz Bohnmann

, 17.04.2013, 05:34 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kahlgefressene Gräber auf dem Mengeder Kommunalfriedhof ärgern nicht nur Karlheinz Gellert.

Kahlgefressene Gräber auf dem Mengeder Kommunalfriedhof ärgern nicht nur Karlheinz Gellert.

Karlheinz Gellert ist "wütend bis zum Gehtnichtmehr". Denn der 82-Jährige ärgert sich über den Zustand des Grabes seiner Eltern und seiner vor fünf Jahren verstorbenen Frau auf dem Kommunalfriedhof in der Mengeder Heide. Und nicht nur er allein. Vielen anderen Friedhof-Besuchern geht es nicht anders. Auch sie stehen meistens vor verwüsteten Gräbern.

Schuld sind die Rehe aus dem benachbarten Waldgebiet. Ihnen scheint die Bepflanzung der Gräber des Kommunalfriedhofs besonders gut zu schmecken.Bambi und Co fühlen sich sicher

Begonnen hat es im Februar. Seitdem ist keine Grab- oder sonstige Bepflanzung mehr vor ihnen sicher. Ob Bodenbedecker, Hecken oder Blumen: Bis auf einige wenige Pflanzensorten, die wohl nicht nach ihrem Geschmack sind, entgeht Bambi & Co. nichts, was grünt oder blüht. Die äsenden Vierbeiner fühlen sich so sicher, dass sie schon am frühen Morgen solo oder als kleines Rudel über den Friedhof und zu den Nahrungsquellen "spazieren".

Karlheinz Gellert hat inzwischen die herausgerissenen Blumen auf dem Familiengrab wieder eingepflanzt. Viel Hoffnung, dass es so bleibt, hat er aber nicht: "Morgen sieht das bestimmt wieder so aus wie vorher."

Vom Blumenstrauß, den er zum Todestag seiner Frau auf das Grab gelegt hatte, war am nächsten Tag - bis auf Stängelreste und ungenießbares Dekorations-Zubehör nichts mehr vorhanden. Und auch ein etwa knapp einen halben Meter hoher Rosenbusch wurde bis auf den Stamm ratzekahl abgenagt.Galgenhumor macht sich breit

Inzwischen macht sich schon Galgenhumor unter den Friedhof-Besuchern breit. Ein Beispiel: "Man kann sich den Weg zum Grab eigentlich sparen und den Blumenschmuck gleich an der Trauerhalle liegen lassen. Die Rehe finden sie dort schon."Zaun nicht hoch genug

Wie aber kommen die Rehe überhaupt auf den mit einem Zaum gesicherten Friedhof? Der ist offensichtlich nicht hoch genug. Außerdem wurde er an einer Stelle von bequemen Spaziergängern, die mit ihren Hunden dort "Gassi gehen" heruntergedrückt, damit sie ohne lange Umwege auf den Friedhof gelangen können.

Zwar wurden vor der "Reh-Invasion" auch Blumen abgefressen. Damals hatten Wildkaninchen den saftigen "Mittagstisch" entdeckt. Doch dieses Problem erledigte sich, nachdem sich ein Jäger aus der Umgebung der Sache angenommen hatte.