Reise in die Dunkelheit

Lichtkunstmuseum Unna

"Dark!" ("Dunkel") heißt die neue Sonderausstellung im Lichtkunstmuseum Unna. Und das meint das Museum ganz wörtlich. Im Laufe der Erkundungsreise zu den Arbeiten von fünf Lichtkünstlern wird es stockfinster im Gewölbekeller der ehemaligen Lindenbrauerei.

UNNA

, 16.10.2015, 16:37 Uhr / Lesedauer: 2 min
Reise in die Dunkelheit

Die gewölbten Plexiglasscheiben von Regine Schumann leuchten im Lichtkunstmuseum Unna im Schwarzlicht. Frank Finken

Die Entdeckung der Dunkelheit beginnt im Halbdunkeln. Regine Schumann hat in dem vorderen Tonnengewölbe 16 gewölbte und fluoreszierende Plexiglasplatten raumgreifend verteilt. Sie leuchten im Schwarzlicht, bilden neue Räume, die die Besucher erkunden dürfen.

Dann wird es duster. Ganz schwarz. Anthony McCall braucht für seine Arbeit "Meeting you Halfway II" absolute Dunkelheit. Und in der malt er dann mit einer Video-Projektion und einer Nebelmaschine Bilder von Ellipsen auf eine Wand. Die Kreise öffnen und schließen sich innerhalb von sieben Minuten.

Man kann diese Raum-Installation sogar betreten; ein wenig Überwindung gehört dazu, durch die dichte Nebelwand, die die Maschine erzeugt, zu treten. Aber dann steht man mittendrin in einem spannenden Lichtkunstwerk. - Ein Höhepunkt der sehenswerten Schau.

Ausgefeilte Choreografie

Meditativer ist die Stimmung im dritten Gewölbekeller. Diana Ramaekers hat dort drei Spiegel an den Wänden befestigt; auch sie arbeitet mit einer Nebelmaschine und Projektoren. Ganz langsam erkunden die Scheinwerfer den Raum, tasten Wände und Boden ab.

Im zweiten Teil der ebenfalls siebenminütigen Endlosschleife entstehen mit Licht und den Spiegeln faszinierende neue Räume - sogar mit grafischen Elementen wie kleinen Kreisen. Diese Arbeit hat die Künstlerin extra für diesen Raum geschaffen und drei Tage lang Spiegel und Projektoren für ihre ausgefeilte Choreografie ausgerichtet.

Licht als Schrift

Vera Röhm spielt im Säulenkeller, dem vierten Ausstellungsraum, mit Licht als Schrift. Den Satz "Die Nacht ist der Schatten der Erde" hat sie in 20 Sprachen aus 20 schwarzen, von innen beleuchteten Kuben herausgeschnitten. Diese Arbeit wirkt am schönsten, wenn man sie von der oberen Galerie Industriekellers aus betrachtet.

Eine ganz andere Seite der Dunkelheit zeigt am Schluss des Rundgangs Lucinda Devlin mit Fotos, die sie als eine von ganz wenigen Fotokünstlerinnen in den Todestrakten amerikanischer Gefängnisse machen durfte.

Eindrucksvolle Fotos

Bedrückende Bilder von elektrischen Stühlen und Stahlbetten, auf die die zum Tode Verurteilten geschnallt werden, sind das. Mit Lichtkunst haben die Fotografien nichts zu tun, aber mit Dunkelheit.

: "Dark!", bis 3.4., Lindenplatz 1, Besuche nur in geführter Begleitung Di-Fr 13, 15 und 17 Uhr, Sa/So stündlich von 13-17 Uhr; keine Anmeldung erforderlich.