Reisebilder zeigen die Schönheit des Orients

Emil-Schumacher-Museum

HAGEN. Eigentlich klingt der Ausstellungs-Titel "Reisebilder aus dem Orient" gar nicht politisch. Und doch: Emil Schumacher hat, als er 1988 in den Irak reiste, auch antike Stätten wie Ninive gezeichnet. Und gerade dort haben die Barbaren des IS einmalige Kunstschätze zerstört. Das ist das Spannungsfeld, in dem sich die hochinteressante neue Ausstellung im Hagener Emil-Schumacher-Museum bewegt.

HAGEN

, 05.07.2016 / Lesedauer: 3 min

Einerseits vermitteln die etwa 100 Zeichnungen und Ölgemälde Emil Schumachers (1912-1999) den Zauber des Orients, seiner weißen Kuppeln und gelb-braunen Sandwüsten - die perfekte Einstimmung auf den Urlaub also.

Andererseits fragt sich der Betrachter angesichts einer Folge von 24 Zeichnungen aus dem Irak, welche der Gebäude in Assur, Uruk oder Hatra wohl noch stehen. "Wir wollten zeigen, dass Orient und Okzident zusammengehören", sagt Rouven Lotz, der wissenschaftliche Leiter des Museums.

Alles ganz spartanisch

Doch erst einmal darf der Besucher einfach genießen. Ab 1958 war Emil Schumacher häufig nach Marokko und Tunesien gereist. Seit 1965 hat er dort auch gemalt. Am liebsten auf der Insel Djerba.

"Es war alles noch sehr spartanisch", erzählt sein Sohn Ulrich Schumacher, der Leiter der Schumacher-Stiftung ist. "Aber Urlaub gab es für meinen Vater eigentlich gar nicht. Er hat immer gezeichnet."

Fasziniert von der islamischen Architektur

Die Bögen und Gewölbe der islamischen Architektur faszinierten den Künstler. Ebenso die Marabouts, jene kleinen Grabmoscheen der Glaubenslehrer, die bis heute überall in der Landschaft Akzente setzen.

Das Weiß ihrer Wände, das Blau des Himmels und den Gegensatz von Kubus und Kuppel reduzierte der Künstler mit leichter Hand auf prägnante Zeichnungen, die die Stimmung wie aus 1001 Nacht perfekt transportierten. Ab 1977 wurde seine Arbeitsweise aufwändiger, so dass die Arbeiten im Atelier entstanden.

Mitbringsel von den Reisen

In der "Maroc-Suite" arbeitete der Künstler Sand, Erde oder Stroh ein und gestaltete die Umrisse mit feinen schwarzen Tuschelinien. Die Verwandtschaft zu Ölbildern wie "Saladin" oder "Malik" (arabisch für Löwe) ist unverkennbar. Aufgelockert haben die beiden Ausstellungsmacher die Säle mit ursprünglich wirkenden Mitbringseln, für die der Künstler ein gutes Gespür hatte.

Im Alter von 76 Jahren dann die Reise zur Kunst-Biennale in Bagdad. Nach einigem Hickhack mit den Herrschenden durfte Familie Schumacher eine dreitägige Fahrt durch den Irak unternehmen.

"Er hatte Fettkreide und eine kleine Tube mit blauer Farbe mit", erzählt sein Sohn. Das war genug für die kleinen Meisterwerke, die eine Schönheit zeigen, die hoffentlich nicht verloren ist.

: "Reisebilder aus dem Orient", bis 23.10, Hochstr. 73, Di-So 11-18 Uhr, Katalog 19 Euro.