„Religionsfrei im Revier“ fordert Abschaffung der Kirchensteuer

Kirchen widersprechen

Nur wer zahlt, kann ein gläubiger Katholik sein und die Angebote der Kirche nutzen, eine Abschaffung der Kirchensteuer gibt es nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes in der vergangenen Woche nicht – noch nicht. Das jedenfalls ist die Meinung von Jörg Schnückel von der Initiative „Religionsfrei im Revier“.

BOCHUM

von Von Carolina Meinert

, 02.10.2012, 15:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Religionsfrei im Revier“ fordert Abschaffung der Kirchensteuer

Jörg Schnückel von "Religionsfrei im Revier" spricht sich für eine Abschaffung der Kirchensteuer aus.

„Die meisten Weltanschauungsgemeinschaften müssen sich hauptsächlich über Spenden ihrer Anhänger finanzieren. Die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland genießen dagegen mit dem Kirchensteuereinzug besondere Privilegien“, sagt Schnückel. Das sei ungerecht und wecke Begehrlichkeiten bei den anderen. Peter Scheffler, Superintendent der evangelischen Kirche in Bochum, kann diesen Einwand nicht verstehen. Dass die anderen keine Steuereinnahmen hätten, sei schließlich nicht die Schuld der Kirche. Er würde es sogar begrüßen, wenn andere Gemeinschaften, wie etwa die Muslime, auf Steuereinnahmen zurückgreifen könnten. Ohne die Kirchensteuer könne man Angebote, die auch Nicht-Christen zu Gute kommen, wie etwa die Angebote der Gemeindezentren, nicht mehr finanzieren.

Länder wie Frankreich, in denen es die Steuer nicht gibt, könnten den Gläubigen seines Wissens nur normale Gottesdienst bieten, aber keine Veranstaltungen darüber hinaus. Schnückel hingegen führt gerade Frankreich als ein Land an, in dem die Kirchen statt steuerfinanziert durch Spenden gut leben könnten. Dass die Kirche in Deutschland mit der Steuer Gutes tue, hält er für Augenwischerei. 90 Prozent des Geldes würde für innerkirchliche Zwecke ausgegeben. Dem widerspricht Propst Michael Ludwig vehement. Wenn die Kirche mit der Steuer zum Beispiel einen Pastor bezahle, der Beerdigungen durchführt, dann sei das ein Dienst an der Gesellschaft – auch an Nicht-Christen, die der Zeremonie beiwohnen.

Schnückel und seine Initiative lassen sich von solchen Argumenten nicht überzeugen: „Wenn wir wirkliche Integration haben wollen, muss sich der Staat aus solchen Dingen raushalten.“ Dazu zähle auch der Religionsunterricht. Funktionieren könne der säkulare Staat nur ohne die Steuer und ohne Missionierung an den Schulen.