Rentner schießt auf spielende Kinder – weil sie Klingelmännchen machten

Amtsgericht Bochum

Diese Tat macht sprachlos: Ein Bochumer Rentner (67) ärgert sich über spielende Kinder – und feuert mit einem Luftgewehr von seinem Balkon auf sie. Jetzt wurde er verurteilt.

Bochum

von Werner von Braunschweig

, 21.08.2020, 17:03 Uhr / Lesedauer: 1 min
Das Bild zeigt den Angeklagten an der Seite seines Verteidigers Egbert Schenkel.

Das Bild zeigt den Angeklagten an der Seite seines Verteidigers Egbert Schenkel. © wvb

Nach einem Luftgewehr-Schuss auf ein spielendes Kind (6) von seinem Balkon ist ein 67-jähriger Rentner aus Bochum am Freitag zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Dazu muss der Senior 500 Euro Schmerzensgeld an den damals von einem Projektil am Bein getroffenen Schüler zahlen.

Der Rentner, ein Sportschütze, hatte sich am 29. Mai 2019 darüber geärgert, dass Kinder bei ihm mehrfach an der Wohnungstür „Klingelmännchen“ gemacht hatten. Der 67-Jährige (knapp 0,5 Promille Alkohol im Blut) hatte sich kurzerhand sein Luftgewehr geschnappt, war auf den Balkon gestürmt und hatte auf die dort tobenden Kinder geschossen. Ein damals sechsjähriger Junge war von einem Diabolo-Geschoss am Oberschenkel getroffen worden und hatte sich eine leicht blutende Wunde zugezogen.

„Es tut mir alles sehr leid“

Vor dem Jugendschutzgericht in Bochum präsentierte sich der Rentner am Freitag reumütig. „Es tut mir alles sehr leid“, entschuldigte sich der Senior. Er könne sich bis heute nicht erklären, wie es damals zu einem solch gefährlichen Wutausbruch kommen konnte. „Ihm sind damals die Sicherungen durchgeknallt“, sagte Verteidiger Egbert Schenkel.

Waffenverbot akzeptiert

Die Polizei hatte im Anschluss bei einer Wohnungsdurchsuchung zwei Luftgewehre und eine Schreckschusspistole beschlagnahmt. Ein anschließend verhängtes Waffenverbot hatte der Sportschütze auch sofort akzeptiert. Nach dem Schuss hatte sich der 67-Jährige aus eigenem Antrieb drei Wochen stationär psychiatrisch wegen Depressionen behandeln lassen.

Richterin Monika Franz nannte den Schuss in der Urteilsbegründung hochgefährlich: „Das hätte genauso gut im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge gehen können.“ Das Urteil lautet auf gefährliche Körperverletzung.

Lesen Sie jetzt