Rettungsversuch: 200 Jahre alte Eiche wieder aufgerichtet

rnVictoria-Opfer

Mit einem Bagger wurde eine 200 Jahre alte Eiche in Bocholt wieder aufgerichtet. Ein Versuch, ob der alte Baum überlebt, steht noch nicht fest.

von Sebastian Renzel

Bocholt

, 20.02.2020, 12:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Geschätzte 200 Jahre hat die Eiche in Holtwick Wind und Wetter getrotzt. Der kurze aber heftige Sturm am vergangenen Sonntag war dann jedoch wohl zu viel für den Baum. Er kippte samt Wurzel um. Kaminholz soll aus ihm aber nicht werden. Der Bocholter Entsorgungs- und Servicebetrieb (ESB) versucht, den Baum zu retten. Am Donnerstag wurde er wieder aufgestellt.

„Es ist ein Versuch“, sagte Stadtbaurat Daniel Zöhler gleich vorweg. Wäre Baum belaubt gewesen, wäre er vermutlich irgendwo gebrochen und nicht mehr zu retten gewesen. 25 bis 30 Meter war die Eiche laut Laurenz Eckers vom ESB groß. Demnächst ist sie deutlich kleiner, denn die ESB-Mitarbeiter haben die gesamte Krone abgeschnitten. Mit ihr hätte der Baum nicht überlebt.

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„Es wir keine A-typische Eiche mehr, es wird ein Kopfbaum“, sagte Sven van den Berg vom ESB. Das bedeutet, dass zwar noch neue Zweige austreiben werden – wenn alles gut geht – aber eine volle Krone wird er nicht mehr bekommen. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Baum wieder aufgestellt wird, sagt Peter Schlabs vom städtischen Fachbereich Stadtgrün. Jedoch nicht in so einer Größe. „Bei Bäumen mit einem Stammdurchmesser von 30 bis 40 Zentimetern liegt die Wahrscheinlichkeit bei nahezu 100 Prozent, dass der Baum das überlebt“, sagte Schlabs. Mit so einem großen Baum habe man es aber noch nie probiert.

Wurzeln angeschnitten - das regt das Wurzelwachstum an

Bevor der Baum gestern wieder aufgestellt werden konnte, musste das Loch für die Baumwurzel noch ausgebaggert werden. Die Wurzeln wurden zudem angeschnitten. An den „Wunden“ soll so das Wurzelwachstum angeregt werden und es sollen neue Verzweigungen entstehen, sagte van den Berg.

Nach dem Sturm "Victoria" lag die alte Eiche am Boden.

Nach dem Sturm "Victoria" lag die alte Eiche am Boden. © Stadt Bocholt

Ein Bagger beförderte den Baum dann zurück in die Vertikale – zumindest fast. Denn die Eiche steht nun etwas schiefer als vorher. Da sie sich aber wehrte, erneut umgelegt zu werden, damit das Loch für die Wurzel noch vergrößert werden konnte, blieb sie stehen, wie sie ist.

Baum soll nicht gefällt werden, auch wenn er nicht wieder anwächst

Danach wurde das Erdreich um den Baum angefüllt und die Erde mit viel Wasser eingeschlemmt. Und Wasser braucht der Baum viel. Denn das Erdreich ist trotz der Regenfälle in den vergangenen Wochen immer noch trocken. Stahlseile sollen außerdem verhindern, dass der Baum durch den nächsten starken Wind wieder umgeweht wird.

Eine Garantie, dass der Baum überlebt, gibt es nicht. Gefällt werden müsse er aber auch nicht, wenn er tot ist. „Wenn es kein Kopfbaum wird, wird es auf jeden Fall ein Habitat für Tiere bleiben“, sagte van den Berg.

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