Reul: Vor Ort richtige Maßnahmen getroffen - Menschen hätten Warnungen nicht ernst genommen

Hochwasser-Katastrophe

NRW-Innenminister Reul nimmt die örtlichen Behörden in Schutz: Sie hätten vor der Flutkatastrophe gut reagiert. Allerdings hätten viele Bürger die nahende Katastrophe nicht ernst genommen.

Düsseldorf

19.07.2021, 17:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) steht auf einer Brücke über die B265 zwischen Lindlar und Erftstadt-Blessem. Auf der Bundesstraße hatte die Flut zahlreiche Fahrzeuge eingeschlossen. Reul machte sich am Montag ein Bild der aktuellen Lage vor Ort.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) steht auf einer Brücke über die B265 zwischen Lindlar und Erftstadt-Blessem. Auf der Bundesstraße hatte die Flut zahlreiche Fahrzeuge eingeschlossen. Reul machte sich am Montag ein Bild der aktuellen Lage vor Ort. © picture alliance/dpa/TNN/Mirko Wolf

In der Unwetterkatastrophe haben die Städte und Kreise aus Sicht des nordrhein-westfälischen Innenministers gut reagiert. „Die Entscheidungen vor Ort sind richtig getroffen worden“, sagte Reul am Montag in Düsseldorf. „Ich kenne keinen Fall, wo auf Grund zu später Evakuierung Schaden entstanden ist.“ Ein größeres Problem sei vielfach gewesen, dass Menschen Warnungen nicht ernst genommen hätten und ihr Haus nicht verlassen wollten.

Reul sagte: „Das allergrößte Problem ist nicht, dass irgendeiner an irgendeiner Stelle mal irgendwas falsch oder zu wenig gewarnt hat. Sondern ich glaube, die Befindlichkeit bei uns ist: Wir leben in einer heilen Industriewelt, einer Superwelt - und uns kann nichts passieren. Katastrophen finden irgendwo anders statt. Die gucken wir uns im Fernsehen an.“

Die Kreise und Städte seien grundsätzlich zuständig für die Schutzmaßnahmen, bekräftigte Reul. „Das ist ein scharfer Grundrechtseingriff, Leute von ihrem Grund und Boden zu vertreiben.“ Dies werde daher vor Ort sehr gründlich abgewogen. Reul versprach, das Vorgehen der staatlichen Stellen „schonungslos und ehrlich“ aufzuklären. Dazu sei aber jetzt nicht die Zeit.

Zahl der Todesopfer in NRW auf 47 gestiegen

Zur Kritik am Katastrophenschutz sagte Reul: „Das Wesen von Katastrophen ist, dass sie nicht vorhersehbar sind.“ Das gelte erst recht für Naturkatastrophen. Tatsache sei, dass NRW seit 2018 wieder in Sirenen investiert habe. Dafür sei ihm von einigen nicht unmaßgeblichen Leuten „ein mittlerer Schuss“ attestiert worden. „Wir brauchen solche Dinger“, sagte Reul.

Ihm habe der ironische Zuspruch eines Niederländers gefallen, der ihm zu der Katastrophenschutz-Debatte geschrieben habe: „Die besten Seekapitäne stehen immer an Land.“ Zum Thema Wiederaufbau sagte Reul: „Die Möglichkeiten, die die Landesregierung hat, werden wir alle nutzen - 100 Prozent versprochen“, sagte Reul am Montag in Düsseldorf. Er schilderte einen Besuch im besonders stark vom Unwetter getroffenen Erftstadt und die außerordentliche Hilfsbereitschaft unzähliger Menschen. „Diese Gesellschaft ist viel besser als wir sie darstellen.“

Er appellierte an die Menschen, keine Risiken einzugehen, um Haustiere oder ihren Besitz zu schützen. Reul hatte am Vormittag unter anderem eine Brücke an der B265 besucht, unter der etliche Autos von den Fluten eingeschlossen waren. Zu einer Kiesgrube, deren Abrisskante noch immer nicht stabil ist, sagte Reul, die Lage könne sich noch zuspitzen. Da jetzt das Wasser ablaufe, fehle Gegendruck an der Grube - weshalb sie weiter einstürzen könne. Die Zahl der Todesopfer in NRW habe sich um einen Menschen auf 47 erhöht.

dpa

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