Revolte im Kurbad versinkt im Hammam-Nebel

Stücke

Nach der Kartenkontrolle im Mülheimer Ringlokschuppen gibt es ein Bändchen mit dem Aufdruck "Tagesgast" und mit dem Betreten des Theatersaals sticht dem Zuschauer der typische Hallenbadgeruch nach Desinfektionsmittel in die Nase - eine schöne Einstimmung auf Ferdinand Schmalz’ "Der thermale Widerstand".

MÜLHEIM

28.05.2017, 14:28 Uhr / Lesedauer: 1 min
Revolte im Kurbad versinkt im Hammam-Nebel

Die Kurgäste spielen (v. l.) Lena Schwarz, Klaus Brömmelmeier, Fritz Fenne und Dagna Litzenberger Vinet.

Barbara Falter hat den Revolutionsversuch eines Bademeisters als munter-leichte Komödie am Schauspielhaus Zürich inszeniert, am Freitag und Samstag war das 70-minütige Thermal-Drama beim Mülheimer Dramatikerwettbewerb "Stücke" zu sehen. Die Wohlfühlblase bekommt Risse, das zeigt Dramatiker Schmalz anhand eines Kurbades, das in einen profitorientierten Wellnesstempel für betuchte Kundschaft verwandelt werden soll.

Bademeister Hannes revoltiert gegen die Körperoptimierung, allerdings kann er die Massen von einer neuen Gemeinschaft - trotz Geiselnahme - nicht überzeugen und landet am Ende erdrosselt im Pool. Eine skurril-humorvolle Gesellschaftssatire im typisch sprachgewaltigen Schmalz-Sound und mit allerlei Wasser-Metaphern gespickt. 

Therme mit Sanierungsstau

Gespielt wird in einem abgewrackten Weißraum mit allerlei Stangen, die für gymnastische Übungen der Kurgäste dienen (Bühne: Dominik Freynschlag). Der Sanierungsstau ist unübersehbar, doch Kurverwalterin Roswitha hat nicht bedacht, dass in den Luxus-Thermen jüngeres Personal zum Einsatz kommt. Dies gibt ihr Beraterin Marie zu verstehen, die ihre pulssenkenden Entspannungstauchgänge ganz leistungsorientiert bis zum Erstickungstod treibt.

Der revoltierende Bademeister kann die Kurgäste nicht von einem "Diskursbad" überzeugen. Zwecks Geiselbefreiung wird die Therme geflutet und alles versinkt im Hammam-Nebel.

Milo Raus "Empire": 31.5., 1.6.; Karten: Tel. (0208) 96 09 60.

 

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