Revolution im Wasser und auf Walhall

Ruhrtriennale

Schon seit der Gründung der Ruhrtriennale vor 13 Jahren waren die Opernaufführungen in der Bochumer Jahrhunderthalle spektakuläre Höhepunkte. Da schließt sich die Inszenierung des Intendanten Johan Simons' von Wagners "Rheingold" (Premiere war am Samstag) an.

BOCHUM

, 13.09.2015, 13:31 Uhr / Lesedauer: 1 min
Revolution im Wasser und auf Walhall

Rheintöchter mit Mime, Alberich,Freia und Loge in dem tollen Bühnenbild zum „Rheingold“

Zu Füßen des Publikums auf einer steilen Tribüne liegen die Rheintöchter in drei Wasserbecken zwischen Steingeröll. Oben hat Bühnenbildnerin Bettina Pommer eine weiße Walhall-Villa zwischen Stahlgerüste gebaut, über die die Riesen Fafner (großartig: Peter Lobert) und Fasolt stapfen.

In der Mitte sitzt das Orchester, die "Music Aeterna" von Teodor Currentzis. Unter dem Musiker-Podium, auf dem auch 50 Zuschauer-Statisten sitzen, liegt das Nibelheim von Alberich. Ein spannendes Bühnenbild, in dem die Sänger Raum haben, vor allem im Wasser lustvoll zu spielen, in dem die Oper aber nie überinszeniert ist.

Zäsur mit Synthesizer

Zu Beginn wimmern Synthesizerklänge durch Foyer und Halle. Aber das, was einige im Publikum für eine rauschende Klimaanlage hielten, berührt Wagners Musik nur punktuell, greift sie aber nicht an.

Nur zwischen der zweiten und dritten Szene, als Wotan und Loge sich auf den Weg nach Nibelheim (wo Bergleute hausen) machen, gibt es eine Zäsur. Da greift ein Schauspieler zum Megafon und spricht revolutionäre, aktuelle Texte.

Dazu schlagen die Schlagwerker des Orchesters mit Hämmern auf Stahlgerüste. Eine mögliche, nicht störende, aber auch nicht unbedingt nötige Szene in der knapp dreistündigen, pausenlosen Aufführung.

Gebet der Erda

Das Ereignis sind - neben den Solisten (vor allem von Wotan, Alberich und Erda) und der Inszenierung - das Orchester und Shootingstar Teodor Currentzis. Elastisch, federnd, oft kammermusikalisch durchleuchtet der 43-jährige Grieche in flotten Tempi die Partitur. Das hat Drive und lässt in der sakralen Akustik Vieles neu hören.

Der Finne Mika Kares ist ein Wahnsinns-Wotan mit wahrhaft göttlich-starkem, dunklem Bariton. Leigh Melrose spielt und singt den Alberich großartig lustvoll. Und Janes Henschel, die als Erda wie ein altes Mütterchen schon zu Beginn durchs Wasser watet, singt die Warnung vor dem Fluch wie ein Gebet; überirdisch schön.

Wenn Simons nicht nur das "Rheingold", sondern den ganzen "Ring" so inszeniert hätte, würden wir gerne noch dreimal wiederkommen.

 

Termine: 16./18./20./22./ 24./26.9.; Sinfoniekonzert von Currentzis bei der Triennale: 19.9., Jahrhunderthalle Bochum; Karten: Tel. (0221) 280210.

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