Rheuma-Mittel erhöht Überlebenschance für Covid-19-Erkrankte

Corona-Studie

Eine große Studie aus Großbritannien zeigt, dass das Rheuma-Medikament Tocilizumab die Sterberate drücken kann. Die Patienten können den Ergebnissen zufolge die Klinik sogar früher verlassen.

04.05.2021, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Es gibt nur wenige Medikamente, die bei einer schweren Covid-19-Erkrankung ein Stück weit helfen können.

Es gibt nur wenige Medikamente, die bei einer schweren Covid-19-Erkrankung ein Stück weit helfen können. © picture alliance/dpa

Inzwischen gibt es die Impfung, die präventiv und zuverlässig vor Covid-19 schützt. Aber es fehlt nach mehr als einem Pandemiejahr weiterhin eine Arznei, die Covid-19 nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 aufhält. Immerhin gibt es inzwischen einige wenige Medikamente, die bei einem sehr schweren Verlauf mit Behandlung im Krankenhaus die Symptome abmildern und die Wahrscheinlichkeit zu sterben ein Stück weit senken können.

Dexamethason und Heparin zählen seit ein paar Monaten zum Standardrepertoire. Und nun verspricht auch das Medikament Tocilizumab etwas Hoffnung, wenn es um besonders schwere Covid-19-Verläufe geht.

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Eine Anfang Mai in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ erschienene und weltweit größte zu Tocilizumab laufende klinische Studie aus Großbritannien zeigt, dass die Gabe dieses monoklonalen Antikörpers in Kombination mit Steroiden (Dexamethason) bei schwerem Covid-19 einen Überlebensvorteil bieten kann. Die Daten lassen darauf schließen, dass mit dieser Behandlung die Mortalität ein Stück weit sinken kann. Die Mortalität beschreibt das Verhältnis der Zahl der Todesfälle zur Zahl der statistisch berücksichtigten Personen. Im Rahmen der Studie sind nach Gabe des Mittels also weniger Menschen verstorben als statistisch gesehen erwartet.

Kritische Phase von Covid-19: Hilft Tocilizumab?

4116 Erwachsene, die mit schwerem Covid-19 in der Klinik behandelt wurden, nahmen an der britischen Studie teil – was im Gegensatz zu früheren Studien eine große Anzahl ist. Die Patienten bekamen nach dem Zufallsprinzip Tocilizumab verabreicht. 14 Prozent der Studienteilnehmer erhielten zum Zeitpunkt der zufälligen Zuordnung eine invasive mechanische Beatmung. 82 Prozent bekamen zeitgleich Dexamethason verabreicht – was im Gegensatz zu früheren Tocilizumab-Studien, die keine verringerte Mortalität zeigen konnten, zu genaueren Ergebnissen führen sollte.

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Die Studienurheber der „Recovery Collaborative Group“ resümieren nun: „Die Gesamtmortalität innerhalb von 28 Tagen nach der zufälligen Zuordnung, trat bei 35 Prozent der Patienten auf, die der üblichen Versorgung zugewiesen wurden, und bei 31 Prozent der Patienten, die der Tocilizumab zugewiesen wurden.“ Wer das Medikament bekam, wurde den Ergebnissen zufolge auch häufiger innerhalb von 28 Tagen aus dem Krankenhaus entlassen als Patienten in der üblichen Pflegegruppe. Unklar bleibe, inwieweit Tocilizumab einen Nutzen bei in der Klinik behandelten Patienten haben könnte, die noch nicht in einer kritischen Phase der Erkrankung sind.

Therapieempfehlung in Deutschland: Tocilizumab zurückhaltend nutzen

Schon länger sehen auch Mediziner in Deutschland bei der Gabe dieses monoklonalen Antikörpers ein Potenzial für eine positive Wirkung. Sogenannte IL-6-Blocker könnten Entzündungen im Körper hemmen. Erste Beobachtungsstudien zeigten bereits im vergangenen Jahr, dass das sonst üblicherweise bei Rheuma-Erkrankungen angewandte Medikament eine entzündungshemmende Wirkung bei sehr schwerem Covid-19 haben kann. Auch die Verschlechterung des Zustands bei invasiver Beatmung kann ersten größeren Studien zufolge ein Stück aufgehalten werden. Das Fieber kann sinken, bestimmte Eiweißkörper im Blut abfallen, die Lymphozytenzahl ansteigen.

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Einen standardisierten Einsatz empfiehlt die aktuelle Behandlungsleitlinie für Deutschland bislang nicht. Eine vom Robert Koch-Institut (RKI) regelmäßig aktualisierte Therapieübersicht spricht sich vorerst für einen zurückhaltenden Einsatz bei nachgewiesenen oder vermuteten bakteriellen Infektionen aus. Kurz vor einer drohenden Beatmung sei aber von einer Gabe abzusehen, ebenso in der Spätphase der Erkrankung ohne Zeichen einer Hyperinflammation.

RND

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