Richard Gere kritisiert Donald Trump bei der Berlinale

"Führer, die Angst schüren"

Amis am Abgrund in "The Dinner" und dichte Schotten in der Fortsetzung von "Trainspotting": Mit Filmen über kleine und große Kriminelle ist die Berlinale am Freitag in den Wettbewerb um den Goldenen Bären. Dabei hat Hollywoodstar Richard Gere kein Blatt vor den Mund genommen, was Donald Trump angeht.

BERLIN

von Von Partrick Wildermann

, 10.02.2017, 18:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Richard Gere ist in Berlin. Erst hat er die Kanzlerin getroffen, um mit ihr über sein Herzensthema Tibet zu reden. Dann hat er auf der Berlinale den Film "The Dinner" präsentiert, in dem es ebenfalls um politische Verhandlungen geht. Allerdings finden die innerhalb einer Familie statt. Und kommen als finstere Ränke daher. Die Story basiert auf dem Moralkrimi "Angerichtet" des Niederländers Herman Koch, wobei Regisseur Oren Moverman das Geschehen nach Amerika verlagert hat.

Lehrer Paul (Steve Coogan) und seine Frau Claire (Laura Linney) sind zum Abendessen mit Pauls machtbewusstem Bruder Stan, einem Kongressabgeordneten, und seiner Kate (Rebecca Hall) in einem Luxusrestaurant verabredet. Nicht aus geselligen Gründen. Sondern weil Pauls und Stans Söhne zusammen ein furchtbares Verbrechen begangenen haben. Wie damit umgegangen werden soll, wird zum Knackpunkt einer Geschichte, die als historischen Hallraum die Schlacht von Gettysburg nutzt, "als Symbol für den amerikanischen Sündenfall, den Bruderkrieg", so Regisseur Oren Moverman während der Pressekonferenz.

Bürgerliche Fassaden

Auf der wurde auch viel nach Donald Trump gefragt. Schon weil Gere einen Politiker spielt, klar. Der Hollywoodstar allerdings hatte kein Problem damit, deutlich Stellung zu beziehen. "Das Schlimmste, was Trump gemacht hat, dass er zwei Wörter zu einem verschmolzen hat - Flüchtling und Terrorist. Es bedeutet für viele inzwischen das Gleiche", sagte Gere vor Journalisten. "Wir haben leider politische Führer, die Angst schüren. Diese Angst verleitet uns dazu, furchtbare Dinge zu tun. Darum geht es auch in diesem Film".

"The Dinner" ist zwar kein Anwärter auf einen Goldenen Bären. Aber doch ein geglückter Psychothriller über die Abgründe hinter bürgerlichen Fassaden.

Und "Trainspotting 2"?

Sehr unbürgerlich geht es im zweiten prominenten Wettbewerbsfilm der Berlinale zu. Der mit Vorfreude erwarteten Fortsetzung von Danny Boyles 90er-Kultfilm „Trainspotting“ startete am Freitag außer Konkurrenz. Er zeigt (basierend auf dem Buch „Porno“ von Irvine Welsh), was 20 Jahre später aus den schottischen Junkies Renton (Ewan McGregor), Sick Boy (Jonny Lee Miller) und Spud (Ewen Bremner) geworden ist: nicht viel. Keiner von ihnen hat sein Leben auf die Reihe gekriegt oder ist dauerhaft von den Drogen losgekommen.

Ihr Plan ist die Eröffnung eines Bordells mit EU-Fördergeldern. Danny Boyle (Foto 2) spielt in „T2“ sehr schön mit der Nostalgie, die über dem gesamten Unternehmen liegt. „Du bist“, muss sich Ewan McGregors Figur einmal anhören, „als Tourist in deiner eigenen Jugend unterwegs.“ In Berlin äußerte sich Boyle pessimistisch über die Folgen des Brexit. Der werde zum Auseinanderbrechen des Vereinigten Königreichs führen, so der Regisseur: „Es wird alles schwieriger.“

So geht bei der Berlinale weiter: Am Samstag (11.2.2017) präsentiert Josef Hader seinen Film "Wilde Maus", der am Wettbewerb teilnimmt. Außer Konkurrenz startet "Final Portrait" von Stanley Tucci über den Bildhauer Giacometti.