Rita McBride zeigt die Ironie des Alltäglichsten

Kunsthalle Düsseldorf

Wie ein monströser, angespitzter Bleistift ragt ihr "Carbon Obelisk" an der Essener Schurenbachhalde als einer der ersten Beiträge zur Emscherkunst 14 Meter empor. Fast vier Mal so hoch geraten ist ihre Münchner Skulptur "Mae West", ein dem weiblichen Körper nachempfundenes Konstrukt aus Kohlenstofffaser-Stäben.

DÜSSELDORF

, 08.05.2016, 18:57 Uhr / Lesedauer: 1 min
Rita McBride zeigt die Ironie des Alltäglichsten

Monumentale Gebrauchskunst: die bespielbare „Arena“ der Düsseldorfer Akademie-Rektorin Rita McBride. Im Vordergrund ihre frei schwebenden „Hexeleraters“, Sisal-Waben mit stählernem Kern, die in der Luft schweben.

Der monumentale Anker aus Cortenstahl, den Rita McBride für den verkehrsumtosten Berliner Platz in Essen entworfen hat, wurde jedoch nie verwirklicht. Die 55-jährige amerikanische Bildhauerin, seit drei Jahren Rektorin der Kunstakademie Düsseldorf, drängt heraus aus Ateliers und Museen. Und sie holt umgekehrt so alltägliche, banale Objekte wie Stromkästen, durch edle Materialien verfremdet, als Skulpturen in die Hallen der Kunst.

Serie von Stromkästen

Die Serie der abgestuft großen Stromkästen in ihrer ersten großen Werkschau in Düsseldorf, die ihr die Kunsthalle am Grabbeplatz widmet, zählt zur Werkgruppe "Managers und Minimanagers" - eine subtile Anspielung auf penibel abgestufte Hierarchien unseres Wirtschaftslebens. An Hochglanz-Patina durch pulverbeschichtetes Aluminium mangelt es auch den kleineren Kästen nicht.

Leicht zu übersehen ist daneben ein langes Rohr - nicht aus Kunststoff, sondern aus edlem Carrara-Marmor. Nicht minder kostbar sind die vertikal mit goldgetönten Rohrschellen an der Wand befestigten, rauch- oder champagnerfarbigen Röhren der Serie "Conduits" aus venezianischem Muranoglas. Auf den ersten Blick wirken sie wie banale Leitungen. Es scheint, als hätte Joseph Beuys’ Forderung nach einer "Sozialen Plastik" bei Rita McBride ihre ironisch geschürzte Erfüllung gefunden.

Arena und Service-Station

Zwei Objekte ragen durch ihre Größe heraus: Die 1997 für das Museum Witte de With in Rotterdam entstandene, seither durch die Welt gereiste und bespielte "Arena" aus einem Sperrholz-Stecksystem und die "Service Station" von 2008. Ein Dach aus Aluminium ruht auf vier Stahlträgern. Der Zweck des Kolosses ist freilich nicht ersichtlich. Die "Arena" indes mit ihren hochaufgetürmten Sitzplanken ohne Rückenschutz - Benutzung "auf eigene Gefahr" - dient auch als Veranstaltungsort.

Ins Spielerische verweisen die "Parking Structures", bronzene Parkhaus-Gerippe im Miniatur-Maßstab, ebenso wie die monumentalen, aus Stahlschablonen ausgeschnittenen Schlüssel der "Keys"-Serie mit Ländernamen.

Auf die Motive der Wandteppich-Serie "Tapestries" muss man erst mal kommen. Es sind Fernseh-Testbilder, die Farbtests und weißes Rauschen fixieren.

Kunsthalle Düsseldorf: "Rita McBride - Gesellschaft", bis 26. 6., Grabbeplatz 4, Di-So 11-18 Uhr, Katalog 25 Euro.