Ritter holten sich einst göttlichen Segen an der Aplerbecker Georgskirche

APLERBECK Wenn die Dunkelheit langsam über die alte Georgskirche in Aplerbeck hereinbricht, der Mond seine Strahlen Richtung Erde schickt und die alten Grabsteine in ein weißes Licht taucht, dann sollen die Gestalten zu sehen sein.

von Von Jörg Bauerfeld

, 13.01.2009, 11:57 Uhr / Lesedauer: 2 min
Siegfried Liesenberg vom Geschichtsverein zeigt mit seinem Holzschwert, wie das Segnen der Ritterwaffen vor vielen Jahren ausgesehen haben könnten.

Siegfried Liesenberg vom Geschichtsverein zeigt mit seinem Holzschwert, wie das Segnen der Ritterwaffen vor vielen Jahren ausgesehen haben könnten.

Glauben Sie nicht? Dann begeben Sie sich einmal zur Nordseite der Sakristei und werfen eine Blick auf die zwei steinernen Stützpfeiler. Starke Abnutzungsspuren sind daran zu erkennen. In gut 1,70 Meter Höhe sind die beiden steinernen Körper förmlich abgehobelt. „Die Art und Weise, wie die Pfeiler abgeschliffen sind, deutet nicht auf Umweltschäden hin“, so Liesenberg. Ganz im Gegenteil, nicht sauerer Regen oder Abgase haben den Stein zerstört, die Klingen unzähliger Schwerter waren es, die den Stein abschabten – vor vielen hundert Jahren. Es waren Ritter, die sich von dem Gotteshaus Kraft und Segen für eine anstehende Fehde versprachen. Liesenberg: „Das hatte in erster Linie mit dem Schutzheiligen und Namensgeber der Kirche zu tun.“ Der ist kein geringerer als St. Georg, der Drachentöter.

Laut Liesenberg muss der Ursprung dieses besonderen symbolischen Aktes aus den Anfänge des 13. Jahrhunderts stammen. Aus der Zeit, als in Aplerbeck die Ritter von Rodenberg ihren Sitz hatten, in Sölde die von Hövel zu Hause waren und in Schüren die Ritter von Voß in blanker Rüstung in den Kampf zogen. Alle wollten sie die Kraft des Drachentöters St. Georg und den Segen der christlichen Kirche in ihre Schwerter fließen lassen und so zogen sie, samt Gefolge und hoch zu Ross, zur Nordseite der Georgskirche und zogen ihre Waffen über die Stützpfeiler der Sakristei. „Es muss wie ein Prozession gewirkt haben, wenn die Ritter über den Friedhof zur Nordseite der Kirche geritten sind“, so Liesenberg. Über viele hundert Jahre hielt sich die Geschichte von der Kraft, die von der Goergskirche ausging.

Noch im 30-jährigen Krieg, so eine Überlieferung, suchten schwedische und französische Horden, die plündernd durch die Lande zogen, das Gotteshaus auf. Auch sie wollten von der Kraft des Drachentöters St. Georg profitieren. Heute ist dies alles ein Teil der Geschichte. Es ist ruhig geworden um die Georskirche. Aber die alten Geschichten und Sagen leben weiter und das alte Gotteshaus weiß noch einige zu erzählen.

  • Der Förderverein Große Kirche und Georgskirche sammelt Spenden für die Sanierung der Georgskirche. Um das alte Gotteshaus wieder herzurichten, sind hohe finanzielle Mittel notwendig, die aus öffentlicher Hand nicht zur Verfügung stehen. Spenden gehen an die Sparkasse Dortmund, BLZ 44050199, Konto-Nr. 101 021 181.