Rockröhre Anastacia eröffnet Zeltfestival Ruhr

Furioser Start

Donnernder Basslauf, rockiger Gitarrensound und schepperndes Schlagzeug: Was nach dem Auftritt einer Heavy-Metal-Band klingt, sind die ersten Takte des Konzerts von US-Sängerin Anastacia. Der Soul-Superstar gastierte gleich zum Auftakt des Zeltfestivals Ruhr 2015 am Freitagabend an der Kemnade.

BOCHUM/WITTEN

, 22.08.2015, 13:15 Uhr / Lesedauer: 3 min
Rockröhre Anastacia eröffnet Zeltfestival Ruhr

Starke Performance: Anastacia gab auf der Bühne Vollgas.

Bereits am ersten Abend präsentieren die Veranstalter in Anastacia den wohl größten Star der Zeltstadt. Mit 60,55 Euro für eine Stehplatz-Karte ist das ein durchaus teures Vergnügen. Doch dafür zieht Anastacia alle Register ihres Könnens. Die Bühne betritt sie in einem Moment der Dunkelheit. Als das Licht angeht, steht sie plötzlich im Fokus des Scheinwerfers zwischen ihren beiden Background-Sängerinnen.

Während ihr Hit „Left Outside Alone“ erklingt, zieht es Anastacia schnell nach vorne. Und sorgt schon beim ersten Lied dafür, dass ihre Fans mitsingen und begeistert ihre Arme in die Höhe recken. Besonders in der ersten Hälfte des Konzerts inszeniert sich die Sängerin, eigentlich für ihre Soul-Stimme gefeiert, als echte Rockröhre. Wie sie ihrem Gitarristen bei dessen Solo den Arm auf die Schulter legt, wie sie selbst die Luftgitarre zupft – die Frau hat eine unglaubliche Energie, die sich auch auf ihre Fans überträgt.

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Fotos: Anastacia eröffnet Zeltfestival Ruhr

Bekannt wurde sie für ihre kernige Stimme. So passt es, dass Anastacia bei der Eröffnung des Zeltfestivals Ruhr nicht nur ihre eigenen Songs, sondern auch einige Rockklassiker von AC/DC oder Guns N’ Roses zum Besten gibt. Hier sind die Bilder.
21.08.2015
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Anastacia begeisterte am Freitagabend als Auftaktact beim Zeltfestival Ruhr 2015.© Foto: Hülstrung
Die Sängerin präsentierte vor allem ihre frühen Hits, aber auch Stücke vom neuen Album und Cover-Songs.© Foto: Hülstrung
Links der Original-Gitarrist, in der Mitte die Luftgitarre: Anastacia war mit vollem Körpereinsatz dabei.© Foto: Hülstrung
Anastacia inszenierte sich als echte Rockröhre und zeigte sich von ihrer coolen Seite.© Foto: Hülstrung
Mit ihrer markanten Soul-Stimme bot Anastacia beste Unterhaltung.© Foto: Hülstrung
Auch Anastacias Background-Sängerinnen konnten stimmlich voll überzeugen.© Foto: Hülstrung
Starke Performance: Anastacia gab auf der Bühne Vollgas.© Foto: Hülstrung
Mit ganz viel Energie heizte die US-Amerikanerin ihren Fans ein.© Foto: Hülstrung
Die Begleitband, hier der Bassist, stellte ihr musikalisches Können unter Beweis.© Foto: Hülstrung
Auch im lila Licht machte Anastacia eine gute Figur.© Foto: Hülstrung
Anastacia begann in Jeans, Glitzer-Top und passender Jacke, trug aber insgesamt drei verschiedene Outfits.© Foto: Hülstrung
„Und jetzt ihr“: Anastacia animierte ihre Fans zum Mitsingen.© Foto: Hülstrung
Anastacia und das Zeltfestival Ruhr 2015: eine gelungene Kombination.© Foto: Hülstrung
Gegen Ende des Konzerts wurde der Sound etwas poppiger.© Foto: Hülstrung
Insbesondere mit ihren älteren Nummern wie „I'm Outta Love“ konnte Anastacia überzeugen.© Foto: Hülstrung
Rund 3500 Zuschauer waren gekommen, um Anastacia live zu erleben.© Foto: Hülstrung
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Die Fans sollen nicht nur mitsingen, mitklatschen und mithüpfen. Anastacia beantwortet auch Fragen der Fans, die sie aus einem bunt beklebten Pappkarton zieht. Die sind zum Teil skurril: welche Blume die Sängerin gerne wäre? Statt einer Blume spricht sie allerdings von „weed“. Da das auch „Marihuana“ bedeuten kann, sucht Anastacia nach der deutschen Übersetzung. Irgendjemand legt ihr das Wort „Wiese“ in den Mund, das sie unter großem Jubel ihrer Fans weitestgehend akzentfrei ausspricht. Doch eigentlich meint sie wohl „Unkraut“, und dazu passt auch ihre Begründung: „Ich möchte einfach in jedermanns Garten sein.“

Die Sängerin spricht über ihr Krebsleiden

Hochemotional wird es, als Anastacia nach ihrem größten Erfolg abseits ihrer Karriere gefragt wird. „Krebsfrei zu sein“, antwortet die Künstlerin, die gleich zweimal gegen Brustkrebs ankämpfen musste. Sie nutzt die Gelegenheit, um sich bei ihren Fans für deren Geduld und Respekt zu bedanken. „Ihr habt mir mich selbst zurückgegeben“, sagt Anastacia zu den rund 3500 Zuschauern im Zelt.

Bei aller Ernsthaftigkeit des Themas Brustkrebs lässt Anastacia auch ihren Humor aufblitzen. Etwa als sie so tut, als würde sie einen Heiratsantrag aus dem Karton ziehen. Oder als das selbst ernannte „amerikanische Mädchen“, das sich mit ein paar deutschen Wörtern wie „dankeschön“ oder „fantastisch“ durchschlägt, den Bassisten nach einem deutschen Schimpfwort fragt, der stattdessen den charakteristischen Background-Gesang von „Sick and Tired“ anstimmt.

Anastacia covert auch Rock-Klassiker

Anastacia singt nicht nur ihre eigenen Songs, sondern auch Rock-Klassiker von AC/DC, Guns N’ Roses und den Foo Fighters, die sich allesamt auf ihrem Cover-Album „It’s a Man’s World“ befinden. So bodenständig wie die Song-Auswahl ist auch ihr Erscheinungsbild: Ganz uneitel beginnt sie in Jeans, Glitzer-Top und passender Jacke, die sie dann aber gegen einen wallenden Hippie-Poncho und später gegen eine knallbunte Tunika tauscht. Zumindest ihre Outfitwechsel sind also ein wenig divenhaft. Für ein paar Songs setzt sie auch die markante Brille auf, die lange Zeit so etwas wie ihr Erkennungsmerkmal war.

Gegen Ende des Konzerts überwiegt der bekannte poppige Sound von Anastacia. Der Bassist steigt auf Synthesizer um, der Keyboarder gibt noch mehr Gas und der Gitarrist setzt sich wie die Sängerin einen Cowboy-Hut auf und hält sich musikalisch etwas zurück. Auch ein paar Songs des aktuellen Albums „Resurrection“, das im letzten Jahr erschien und mit dem Anastacia ja eigentlich gerade auf Tour ist, ertönen. Doch es ist kaum zu übersehen, geschweige denn zu überhören, dass die Fans sie vor allem wegen ihrer zurückliegenden Erfolge feiern.

Die frühen Hits am Ende

Ihre frühen Hits liefert Anastacia zum Ausklang dann am Stück: „Paid My Dues“ und „One Day in Your Life“ vom 2002er-Album „Freak of Nature“ sowie den gleichnamigen Titelsong. Den Abschluss macht ihre allererste Chart-Platzierung „I’m Outta Love“ aus dem Jahr 1999. Ohne Zugabe, aber trotzdem nach insgesamt zwanzig Songs endet der Abend, der zwar mit einer Hardrock-Einlage begann, aber ein unverwechselbares Etikett trägt: Anastacia.