Rohde hat die Nase vorn

"Cyrano de Bergerac"

BOCHUM Da sage noch einer, das Schauspielhaus Bochum habe nicht den richtigen Riecher für einen Besetzungs-Coup. Mit Beifallsstürmen und Standing Ovations feierte das Publikum am Samstag Armin Rohde, seit seiner Rolle als "Bierchen" eine Ruhrgebiets-Ikone. Als "Cyrano de Bergerac" zeigt er allen eine lange Nase.

von Von Bettina Jäger

, 30.01.2011, 11:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Rohde hat die Nase vorn

Sehnsuchtsvoller Blick zum Mond: Erst zum Schluss erkennt Roxane (Nadja Robiné), dass sie Cyrano (Armin Rohde) liebt.

Dabei ist sein Auftritt so bemerkenswert wie das gewaltige Riechorgan, das ihm die Maskenbildnerinnen angeklebt haben. Ein kleiner, gedrungener Obelix eilt da auf die Bühne. Schwarzer Schlapphut, langer Mantel, abgerissene Klamotten. Ein armer Poet. Aber auch ein topfittes Pummelchen (nicht unähnlich Gerard Depardieu), verwegen mit dem Degen, das sich mit fast graziöser Leichtigkeit durch die Duelle ficht, die Klaus Figge fantastisch choreografiert hat.Tragische Figur

Ehrlichkeit, Natürlichkeit, handfeste Komik bestimmen die Wirkung des in Gladbeck geborenen Film- und Fernsehstars Rohde. Aber die tragische Figur des Cyrano gestaltet er zart und subtil, mit brechender Stimme in der berühmten Balkonszene und ganz am Schluss. Ein Cyrano, außen hart und innen ganz weich. Ein Schauspieler, wie gemacht für diese Rolle.

Dass sich dieser hässliche Kerl in die bezaubernde Roxane verliebt - Nadja Robiné spielt sie fein und innig -, geht zu Herzen. Weil Roxane aber den hübschen Christian (Nicola Mastroberardino) anhimmelt, hilft Cyrano den jungen Kadetten mit Liebesbriefen, das Herz der Schönen zu gewinnen. Viel zu spät erkennt sie, wen sie wirklich liebt ...Krude Konzepte

"Cyrano" ist seit der Uraufführung 1897 ein Stück, auf dessen Wirkung ein Regisseur vertrauen kann. Leider hat Katharina Thalbach das nicht getan. Stattdessen bürdet sie dem Abend gleich mehrere krude Konzepte auf, zieht ihn in die Länge - dreieinviertel Stunden sind eine zu viel. Die Commedia-dell'-arte-Aufführung zu Beginn verwandelt sie in eine Parade auf dem Roten Teppich - qualvoll unkomisch. Sie flicht Motive aus der Beschreibung einer Mondreise aus der Feder des echten Cyrano (1619-1655) ein - ein Sehnsuchtsmotiv, aber auch eine Überfrachtung.   Mit lautem Gerumpel fahren Guckkastenbühnen auf die Fläche, geben etwa das Innere einer Kirche frei - überflüssig. Plump und massig ist das Bühnenbild, überdreht wirken die Neo-Barock-Kostüme von Ausstatter Ezio Toffolutti. Noch viel überflüssiger ist eine peinliche Tanzeinlage in der Backstube. Und auch lispelnde Bäckerjungen, kieksende Damen oder dicke Mönche sind nicht per se komisch. Ein Abend mit Janusgesicht - gute Schauspieler in einer misslungenen Inszenierung. Leider ist das eine ohne das andere nicht zu haben.

Alle Vorstellungen im Februar sind ausverkauft. Am 9. Februar (für Wahl-Abonnenten schon am 7.2.) beginnt der Vorverkauf für die Termine 3./6./7./27.3. unter Tel. (02 34) 33 33 55 55.

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