Romanze in Moll: erst in Russland, dann in New York

Kino: "Die Geschichte der Liebe"

Mit "Die Geschichte der Liebe" hat der Franzose Radu Mihaileanu den Bestseller von Nicole Krauss verfilmt. Eine Romanze in Moll, die 60 Jahre umspannt, in Russland und New York spielt und vom Holocaust überschattet ist, weil Alma und Leo Juden sind. Als die Wehrmacht kommt, glückt Alma die Flucht nach Amerika.

24.07.2017, 10:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Romanze in Moll: erst in Russland, dann in New York

Alma (Sophie Nélisse) übergibt Leo (Derek Jacobi) das Manuskript seines Romans ?Die Geschichte der Liebe?.

Ein Anfang wie im Bilderbuch: Ein Sommeridyll in Weißrussland. Die schöne Alma (Gemma Arteron) turtelt mit drei Jungs, die für sie um die Wette dichten. Leo ist ihr Favorit. Sie küsst ihn unter dem Baum, ein Herz ist in die Rinde geritzt. Traumhaft und kitschig.

Die Musik legt sich schwer ins Zeug und schnBeendenauft im selben Atem Glut, Schmacht und Dramatik. Leo bleibt, schwört ewige Treue und dass er überleben wird. Seine unsterblichliche Liebe gießt er in einen Roman, den er Alma kapitelweise mit der Post schickt.

Langatmige und sprunghaft wirre Geschichte

Ging das im besetzten Russland? Seltsam, aber so steht es geschrieben. Vermutlich im Buch (das rührend sein soll), definitiv im Drehbuch des Films, der manchmal rührend ist, dann ranschmeißerisch um Komik bemüht, aber vor allem langatmig und sprunghaft wirr. Mihaileanu kriegt weder die Zeitebenen noch Stränge und Nebenstränge um diverse Figuren in einen Erzählfluss gegossen.

Was vielschichtig komplex gedacht sein mag, fällt unübersichtlich, kompliziert, weitschweifig aus: Was hat der New Yorker Teenie Alma (Sophie Nélisse) mit ihrer Namensvetterin zu tun? Was mit dem alten Griesgram (Derek Jacobi), zu dem Leo sich mauserte, als er nach Amerika kam? 

Mihaileanus Film verheddert sich böse

Geschichten trudeln nebeneinander her. Hier sollen wir schniefen, dort kichern, bis dann die Tragik in Leos Leben sichtbar wird. Derek Jacobi und Sophie Nélisse trifft keine Schuld, dass sich der Film zwischen Anspruch und Unterhaltung, Arthouse und Mainstream-Schnulze böse verheddert.