Romeo und Julia in einer morbiden Welt

Schauspielhaus Bochum

Eine Mauer teilt die Bühne im Bochumer Schauspielhaus und damit die Welt der verfeindeten Familien und das Publikum. Denn in Marius von Mayenburgs Bearbeitung der Shakespeare Tragödie "Romeo und Julia" verfolgen die Zuschauer die berühmte Liebesgeschichte auf Seiten der Capulets oder Montagues. 

BOCHUM

12.03.2017, 13:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Romeo und Julia  in einer morbiden Welt

Beim Maskenfest der Capulets verlieben sich Romeo (Torsten Flassig) und Julia (Sarah Grunert).

Dank Videotechnik (Sebastien Dupouey) funktioniert diese Aufspaltung im Schauspielhaus Bochum. So spricht den Prolog Michael Schütz als Montague-Chef für die Zuschauer im Parkett und Lady Capulet (Matthias Redlhammer) für das Publikum auf der Hinterbühne - nach und nach überlagern sich beide durch Live-Projektionen auf die Mauer (Bühne: Stéphane Laimé). Nach diesem starken Auftakt können die Zuschauer drei Stunden lang das Geschehen von der jeweils anderen Mauerseite per Projektion verfolgen und die Gesichter der Schauspieler in Großaufnahme wie im Kino sehen.

Emotionen in Liedern

Und wie im Filmmusical "La La Land" verleihen die Protagonisten ihren Gefühlen durch bekannte Lieder Ausdruck. Torsten Flassig kommt als sensibler Romeo mit Gitarre als Singer/Songwriter daher, setzt sich für seine Liebste auch schon mal ans Klavier. Sarah Grunerts Gruftie-Girlie Julia stimmt "Killing me softly" von Aretha Franklin an und Michael Schütz’ Pater im Rocker-Look setzt sich mit Leonard Cohens "You want it darker" den goldenen Schuss. So kann sein Plan, dem Teenager-Liebespaar zu helfen, nicht aufgehen in der von Regisseur von Mayenburg morbid-düster angelegten Inszenierung, die durch seine "Neuübersetzung" und die Kostüme von Miriam Marto in der Gegenwart verortet ist.

Von Romantik keine Spur

Splatter-mäßig gerät das Fest der Capulets, zu dem Romeo mit böser Clownsmaske und seinem rauflustigen Kumpanen Mercutio erscheint. Nach dem silbernen Konfetti-Regen, der auf das Publikum der Hinterbühne herabfällt, dominiert auf der Mauer ein Video mit blutig verschmierten Zombies, Mutter Capulet zersägt ihre Tochter... Beim Schmaus wird eklig anzusehendes Gedärm gestopft und unter dem Tisch gestehen sich Romeo und Julia ihre Liebe.

Aber romantisch geht es dennoch in diesem Verona nicht zu. Nicht am Balkon hängt Romeo, sondern an der Mauer, die trotz ihrer Höhe überwindbar ist und sich auch hervorragend eignet, um Julias Cousin Tybalt den Garaus zu machen, indem er von Romeo unzählige Male dagegen geschmettert wird.

Versöhnung fällt aus

In einer zerrissenen Welt stoppen Mauern weder Gewalt, noch bringen sie Frieden. So bleibt am Ende Prinz Escalus - trotz Mikrofon in der Hand - über den Teenager-Leichen stumm. In von Mayenburgs Inszenierung fällt die Versöhnung der Familien aus. Begeisterter Applaus.

 

Termine: 17. / 29. 3., 2. / 17. / 23. / 29. 4..; Karten: Tel. (0234) 33 33 55 55.

 

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