Romeo und Julia - tragisch und clownesk zugleich

Theater Oberhausen

OBERHAUSEN Wer sind schon Leonardo Di Caprio und Claire Danes? Björn Gabriel und Angela Falkenhan vom Theater Oberhausen könnten als Romeo und Julia ein jugendliches Liebespaar abgeben, das den beiden Hollywoodstars in Baz Luhrmanns Shakespeare-Verfilmung von 1996 ebenbürtig wäre.

von Von Klaus Stübler

, 18.01.2010, 17:09 Uhr / Lesedauer: 1 min
Romeo (Björn Gabriel) und Julia (Angela Falkenhan) in Oberhausen.

Romeo (Björn Gabriel) und Julia (Angela Falkenhan) in Oberhausen.

Die Belgrader Regisseurin Ana Tomovic lässt das bei ihrer ersten Inszenierung im deutschsprachigen Raum aber nicht zu. Sie entlarvt die "größte Liebesgeschichte der Weltliteratur" am Theater Oberhausen als die eher zaghafte Annäherung zweier Jugendlicher, die noch echte Kindsköpfe sind: Während Romeo auf einem Kinderklapprad seine Runden dreht, klemmt Julia sich zwischen die Sprossen einer Leiter.Keine "Balkangeschichte"

Ana Tomovic erzählt auch nicht, wie ursprünglich von ihr geplant, eine Balkangeschichte. Ethnische Konflikte spielen keine Rolle. Sie führt die beiden verfeindeten Clans vielmehr als gernegroße Blender inmitten eines Lumpenbergs vor, auf den beständig weitere Kleidungsstücke herunterfallen - Momirka Bailovic darf sich da bei der Kostümierung kreativ austoben.Clownerie und Maskerade

Bis zur Pause erlebt man eine Mischung aus Clownerie und Maskerade. Jürgen Sarkiss (Mercutio), Martin Hohner (Tybalt) und Caspar Kaeser (Benvolio) sind da die eigentlichen Stars. Und Romeo und Julia kommen statt unter die Haube unter einen alten Lampenschirm.Versöhnung ist eine schwierige Geste

Danach allerdings schlägt die Tragödie mit ganzer Wucht zu. Wenn sich Julia neben den toten Romeo legt und, mit den Fingern die Sekunden zählend, die Luft anhält, dann hält auch der Zuschauer den Atem an. Überzeugend stellt Regisseurin Tomovic am Anfang und am Ende die Sprachlosigkeit der beiden verfeindeten Familien heraus. Selbst der als Streitschlichter fungierende Prinz von Verona (Henry Meyer) kriegt zuletzt nur die Worte "Was für ein Unglück" heraus. Und nur zögerlich werden Hände zur Versöhnung ausgestreckt.

Karten: (0208) 857 81 84.

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