RUB-Klinikverbund hat nun neun Standorte

Universitätsklinikum wächst

Es ist ein großer Schritt für die Ruhr-Universität und ein Ritterschlag für das „Bochumer Modell“: Am Mittwoch besiegelten die Universität und vier Kliniken aus der Region Ostwestfalen-Lippe einen neuen Kooperationsvertrag. Doch die neue Kooperation stößt nicht nur auf Begeisterung.

BOCHUM

, 06.05.2015, 17:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
RUB-Klinikverbund hat nun neun Standorte

Zusammen mit Wissenschaftsministerin Svenja Schulze unterzeichneten Vertreter von Universität und Kliniken den neuen Kooperationsvertrag.

Es begann in den 1970er-Jahren als Übergangslösung: Finanzielle Engpässe machten den Bau eines eigenen Universitätsklinikums in Bochum unmöglich und so entschied sich die Landesregierung im Jahr 1977 für ein beispielloses Projekt: Statt eines eigenen Klinikums, schickte man die Studierenden zur Ausbildung einfach in bereits bestehende Kliniken in Bochum und Herne.

Ursprünglich nur als Übergangslösung gedacht, entwickelte sich das „Bochumer Modell“ zu einem Erfolgsprojekt – auch weil die Studierenden viel praxisnäher ausgebildet werden konnten. Nachdem bereits 1989 eine Herzklinik in Bad Oeynhausen Teil des Klinikverbunds wurde, verstärkt die Ruhr-Universität nun endgültig ihr Engagement in Ostwestfalen-Lippe: vier Kliniken mit Standorten in Minden, Herford, Lübbecke-Rahden und Bad Oeynhausen gehören nun ebenfalls mit zum Universitätsklinikum Bochum.

Bessere Versorgung auf dem Land

Ganz unumstritten ist die neue Kooperation nicht. Denn bleiben viele der 180 für die Bochumer Studierenden unbesetzt, entscheidet ein Los, wer für zwei Jahre (vier Semester) den Weg nach Ostwestfalen-Lippe antreten muss.  Dass es dadurch zu Unmut unter den Studierenden kommen könnte, ist auch Wissenschaftsministerin Svenja Schulze bewusst: „Es ist jedoch keine Strafverschickung, wie ich heute schon gehört habe, sondern eine Chance“, sagt sie.

Eine Chance, von der vor allem zwei Partner profitieren: Die Ruhr-Universität und die Region Ostwestfalen-Lippe. Seitens der Uni hofft man, daraus machte Prof. Dr. Albrecht Bufe, Dekan der Medzinischen Fakultät, keinen Hehl, mit dem neuen Klinik-Verbund endlich die Voraussetzungen für die seit Jahren begehrte Aufnahme in den Elite-Kreis der Exzellenzinitiative deutscher Hochschulen geschaffen zu haben.

Für die Region Ostwestfalen-Lippe wiederum bedeutet die Landverschickung Bochumer Studierender eine erhebliche Verbesserung der medizinischen Versorgung.

Kaum Studierende unter den Teilnehmern

150 Ärztestellen seien in der Region unbesetzt, so Ministerin Svenja Schulze: „Dort besteht Handlungsbedarf“, sagt sie und auf die Folgen des sogenannten Klebeeffekts. Dessen Untersuchung ist auch ein Teil der neuen Kooperation: „Dort wird erstmals wissenschaftlich evaluiert, ob es diesen Klebeeffekt überhaupt gibt“, erklärt Schulze.

Deren Ministerium stellt für das Projekt dauerhaft sechs Millionen Euro Förderung pro Jahr zur Verfügung. „Es ist für ganz NRW ein zukunftsweisendes Projekt für die praktische Ausbildung“, sagt sie und betont, dass gerade dieser zukunftsweisende Aspekt nicht allen im Bundesland bewusst sei.

Ankommen muss dieses Bewusstsein jedoch nicht bei denen, die diese Kooperation ohnehin vorangetrieben haben, sondern bei den Studierenden selbst. Bereits ab dem kommenden Wintersemester machen sich die ersten 60 auf den Weg ins Ostwestfälische.

Die Begeisterung darüber hielt sich am Mittwoch in spürbaren Grenzen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen war die Studierendenschaft der Medizin der Feierstunde fern geblieben.