RUB-Studenten helfen Flüchtlingen im Uni-Alltag

Projekt zur Integration

Viele junge Menschen sind aus ihren Ländern geflohen und möchten jetzt in ihrer neuen Heimat ihr Studium fortsetzen. Damit sich Flüchtlinge leichter an der Ruhr-Universität eingewöhnen, hat der AStA das Projekt "Gemeinsam - Studies für Flüchtlinge" gestartet. Flüchtlinge bekommen studentische Paten - so genannte "Buddys".

BOCHUM

, 27.12.2016, 11:11 Uhr / Lesedauer: 3 min

In eine fremde Stadt zu ziehen, ist nie leicht. Man kennt niemanden und auch mit der Orientierung braucht es eine Weile. Wenn man die Sprache des Landes nicht spricht, ist es natürlich noch schwieriger. Das sind Probleme, mit denen sich viele junge Flüchtlinge in Deutschland beschäftigen. Sie wollen gerne studieren, aber haben nicht das nötige Sprachniveau. 

Bisher gibt es an der Ruhr-Universität das Integra-Projekt, das aktuell 340 Flüchtlingen kostenlose Deutschkurse anbietet. "Was aber gefehlt hat, war eine studentische Begleitung", sagt Steffen Letmathe. Er hat das AStA-Projekt "Gemeinsam - Studies für Flüchtlinge" ins Leben gerufen, das in diesem Semester zum ersten Mal läuft. Ziel ist es, den jungen Flüchtlingen studentische Paten an die Hand zu geben. "Die Flüchtlinge waren ein wenig in ihrer Blase. Am besten lernt man Deutsch mit Leuten zusammen", meint Letmathe. Die Paten heißen "Buddys" (englisch für "Kumpel") und helfen bei bürokratischen Hürden oder bei der Suche nach dem richtigen Ansprechpartner. 

Einer der Teilnehmer ist Ayman-Kanaan. Der 26-Jährige kommt aus Syrien und ist seit ungefähr anderthalb Jahren in Deutschland. "Ich habe schon 2008 in Syrien einen Deutschkurs gemacht", erzählt er. "Ich wollte schon immer nach Deutschland." Dann kam der Krieg. Ayman floh und landete schließlich in Berlin. "Es war sehr schwer. Ich hatte keinen Platz zum Schlafen." Fünf Monate war er auf sich allein gestellt "ohne Hilfe, Geld oder einen Sprachkurs". 

Er hörte von einem Freund, der in Bochum wohnte und entschloss sich, ins Ruhrgebiet zu ziehen. Das wäre inzwischen nicht mehr möglich. Die sogenannte Wohnsitzauflage legt fest, dass Flüchtlinge drei Jahre lang in der Kommune bleiben müssen, in der sie sich als erstes registriert hatten. Im September gab es vor dem Bochumer Rathaus Proteste gegen diese Auflage.

Jetzt lesen

Ayman hatte in Syrien Archäologie studiert. Nach dem ersten Jahr seines Master-Studiengangs floh er aus seiner Heimat. Die zwei schon absolvierten Semester werden von deutschen Universitäten aber nicht anerkannt. Jetzt überlegt Ayman, Orientalistik zu studieren. Einen Erfolg konnte er aber schon in diesem Jahr feiern: Der 26-Jährige hat die Führerscheinprüfung in Deutschland bestanden und sich ein Auto gekauft. An der Ruhr-Universität besucht er jeden Tag Deutschkurse. Sein Ziel ist das zum Studieren benötigte C1-Sprachniveau. 

Projekt als Praktikum

"Ich finde es unglaublich toll, dass die Uni den Flüchtlingen diese Möglichkeit bietet", sagt Ina-Marie Landa. Die 22-Jährige ist eine der 100 Studierenden, die sich in dem Projekt engagieren. Die Arbeit mit den Flüchtlingen bedeutet ihr viel. Die Ruhr-Uni sei eine klassische "Pendler-Uni", sagt sie. "Mir ist es hier am Anfang auch schwer gefallen." Eigentlich kommt sie aus Kiel, kennt also die Probleme von Zugezogenen aus eigener Erfahrung.

Für Ina-Marie hat das Projekt aber auch noch einen anderen Vorteil. "Studies für Flüchtlinge" bietet auch Praktika für Studenten an. Die Praktikanten helfen mit bei der Organisation von Gruppenveranstaltungen und Betreuung von Flüchtlingen. Jeder der zurzeit fünf Praktikanten organisiert außerdem zusätzlich einen Ausflug oder eine Veranstaltung. So waren die "Buddys" schon zusammen Schlittschuhlaufen und an der Zeche Zollverein. Im Januar wird die Gruppe die Mahn- und Gedenkstätte Steinwache in Dortmund besuchen.

Etwas andere Weihnachtsfeier

Ina-Marie hat eine Weihnachtsfeier im KulturCafé der RUB auf die Beine gestellt. Am Büffet gibt es Pizza und viele der rund 150 Gäste haben auch noch selbst etwas zu Essen mitgebracht. Ein Zettel versichert den Muslimen unter den Feiernden: alles halal. Dazu spielt die Band Yakamos einen Mix aus Popmusik und orientalischen Stücken. Besonders die alternative Version von der "Weihnachtsbäckerei" sorgt für viele Lacher. Ina-Marie ist zufrieden mit ihrer Veranstaltung: "Ich fand es toll, dass es eben keine typische deutsche Weihnachtsfeier war." 

Tatsächlich ist es ein sehr bunter Abend. Auf der einen Seite der deutsche Brauch des Wichtelns, auf der anderen traditioneller syrischer Tanz. Man grüßt sich mit "Hallo" und "Salam Aleikum".

Die Feier fand einen Tag nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt statt. Während in der Politik schon über Konsequenzen diskutiert wurde, saßen in Bochum junge Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammen und redeten, aßen, tranken, sangen und tanzten. Ina-Marie: "Man muss gerade jetzt zusammen feiern."

Weitere Infos im Internet
Mehr Informationen zu dem Projekt "Gemeinsam - Studies für Flüchtlinge" finden Sie auf der . Hier können sich Interessierte auch als "Buddy" anmelden.

Schlagworte: