Rudolf Steiner Schüler wagen auf der Bühne Experiment

BOCHUM Eigentlich kennen sich die Schüler der Klasse 11a der Rudolf Steiner Schule sehr gut. Was aber passiert, wenn sich die Schüler in eine Ausnahmesituation begeben, erkundeten sie jetzt mit einer Theaterinszenierung.

von von Christina Neuffer

, 08.02.2009, 17:56 Uhr / Lesedauer: 1 min
Rudolf Steiner Schüler wagen auf der Bühne Experiment

In Gefangene und Wärterinnen unterteilt betraten die Schüler der Rudolf Steiner Schule die Bühne. Sie wollten theatralisch darstellen, wie sich ein Mensch in einer psychologischen Extremsituation verhält.

Plötzlich scheinen sie ihre besten Freunde und vor allem auch sich selbst nicht mehr wiederzuerkennen. In dem Theaterstück "Entgleist", das die Schüler am Freitag Abend uraufführten, machten sie sich selbst in einer psychologischen Ausnahmesituation zum Thema.

Als Grundlage für ihr Stück fungierte das Stanford-Gefängnis-Experiment, das der Psychologe Philip Zimbardo mit Studenten in Amerika durchführte.

Dabei teilte er eine Gruppe von Menschen willkürlich in Wärter und Gefangene auf, sperrte sie in ein Gefängnis, um zu sehen, wie sie reagieren. Dieses Experiment spielten die Schüler in "Entgleist" mit einer Veränderung nach: Sie spielen keine sich fremde Personen sondern sich selbst - die Schüler der Klasse 11a.

Geschlechtertrennung

Genau wie in einem richtigen Gefängnis teilte sich die Klasse für die Aufführungen nach Geschlechtern auf: In den vier Aufführungen der Klasse 11a wechselte sich jeweils die Jungen- und die Mädchenbesetzung ab. Den Anfang machten am Freitag die Mädchen der Klasse. In ihren Rollen als Wärter und Gefangene zeigten sie, wie schnell ein Mensch seine Selbstkontrolle verliert. Schon kurz nach Beginn des Experiments gerieten die zwei Gruppen heftig aneinander. Die zwölf Gefangenen, die in vier kargen, nur mit Betten und einem Eimer ausgestatteten Zellen untergebracht waren, wurden zu Zeugen des Machtkampfes unter den Wärterinnen. Schon bald lag denen auch Gewalt nicht mehr fern.

Sehr eindringlich zeigten die Schüler mit ihrem Stück wie ein Experiment die Realität verändern kann. Wer ist noch mein Freund und wem kann ich trauen? Und wer bin ich überhaupt selbst?

Kontrollverlust

Sie spielten die Situation, die sich im wahren Experiment abspielte, glaubwürdig nach: Am Ende des Stückes schien jegliche Ordnung und Kontrolle verloren zu sein.

Wie konnte es soweit kommen? Mit dieser und anderen offenen Fragen blieben die am Boden zusammengekauerten Wärter und Gefangenzurück, während die Zuschauer zum Nachdenken angeregt die Schulaula verließen.