Ruhrfestspiele ehren die französische Kultur

Programm 2015

Es ist ein Zufall. Und doch – denkt man einen Moment darüber nach – eine gute Sache. Die Ruhrfestspiele Recklinghausen stellen unter dem Motto „Tête-à-Tête – Ein dramatisches Rendezvous mit Frankreich“ vom 1. Mai bis 14. Juni die große Kultur des Nachbarlandes in den Mittelpunkt. Am Tag des Attentates auf „Charlie Hebdo“ war das Programmheft aus der Druckerei gekommen.

RECKLINGHAUSEN

, 22.01.2015, 17:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ruhrfestspiele ehren die französische Kultur

Weltstar Ute Lemper kam zur Vorstellung des Programms nach Recklinghausen.

Alles, was wir tun, klingt jetzt anders“, sagte Intendant Frank Hoffmann, schockiert von den Ereignissen in Frankreich, am Mittwoch bei der Vorstellung des Programms in Recklinghausen. Die vielen Höhepunkte der französischen Kultur wirken jetzt wie eine Antwort auf den Terror in Paris. Auch eine Anzeige des Sponsors mit der Schrift „Liberté, Égalité, Créativité“ ist plötzlich unglaublich aktuell.

317 Aufführungen geplant

Die Ruhrfestspiele bieten in diesem Jahr 110 Projekte an 17 Spielorten, insgesamt sind 317 Aufführungen geplant. Weltstars wie Sängerin Ute Lemper und Schauspielerin Juliette Binoche sind mit von der Partie. Ute Lemper (51) – sehr schön, unfassbar schlank und dann sehr schnell wieder weg – war extra nach Recklinghausen gekommen. Die gebürtige Münsteranerin erzählte charmant, wie sie 1991 in Recklinghausen in einer Choreografie von Maurice Bejart getanzt und gesungen hatte: „Mir tut jetzt noch das Kreuz weh.“

Projekt "Die Schriften von Accra"

Was für eine ernsthafte, um ein gutes Ergebnis ringende Künstlerin sie ist, war jedoch ebenfalls unübersehbar. Für ihr Projekt „Die Schriften von Accra“ hat sie sich mit Paulo Coelho, dem prominenten brasilianischen Autor des Buches, getroffen. Sein trockener Kommentar lautete „Go ahead!“ ( „Mach weiter!“). Zwei Vorstellungen am 9./10. Mai sind geplant.

Weitere Höhepunkte:

 

  • Starregisseur Martin Kušej inszeniert die Eröffnungspremiere. Das Stück „Ich Ich Ich“ stammt vom genialen, aber leider lange vergessenen Komödien-Autor Eugène Labiche und dürfte richtig lustig werden (3.-7.5.).
  • Der schöne Star des französischen Films, Juliette Binoche, und der prominente Regisseur Ivo van Hove – da kann eigentlich nichts schiefgehen bei der tragischen „Antigone“ des Sophokles (21.-24.5.).
  • Ein Knüller dürfte das neue Stück von Yasmina Reza werden. Nach dem „Gott des Gemetzels“ kommt „Bella Figura“. Auf einem Parkplatz treffen Unternehmer Boris und seine Geliebte Andrea ausgerechnet eine Bekannte seiner Ehefrau. Reza hat den Text für die Berliner Schaubühne geschrieben, in der Regie von Thomas Ostermeier spielt Nina Hoss die Andrea (28.5.).
  • Den Text „Der Vater“ hat Autor Florian Zeller aus der Sicht eines alten Mannes geschrieben, der langsam dement wird. Die Hauptrolle übernimmt Volker Lechtenbrink (25.-27.5.)
  • Das Dreamteam der letzten Saison, Samuel Finzi und Wolfram Koch, steht auch diesmal auf der Bühne – in Ionescos Stück „Die Nashörner“, inszeniert von Frank Hoffmann (3.-8.6.).
  • Die Kurzfilme „Green Porno“ mit Isabella Rossellini sind Kult – es geht um die seltsamen Fortpflanzungsmechanismen der Natur. Am 9./10. Juni auf der Bühne.
  • Ebenfalls zu empfehlen: die „Jungfrau von Orleans“ in der Regie von Michael Thalheimer (12.-14.6.), „Constellations“ mit Johann von Bülow (12./13.5.), „Von der Erde zum Mond“ mit Rufus Beck (18.5.) und das Abschlusskonzert mit Roger Cicero (13.6.).
  • Der bekannte Künstler Daniel Buren gestaltet das Festspielhaus mit farbigen Folien.
  • Zum Schluss das Lieblingsprojekt des Intendanten: Die kontemplative Performance „François & Claire“ ist vom 19. bis 26. Mai täglich von 16 bis 24 Uhr in der Vestlandhalle zu sehen. Eintrittskarten zu einer Vorstellung berechtigen zum Besuch der Halle am selben Tag.

Vorverkauf unter Tel. (02361) 92180, Mo-Fr 9-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr. Per e-Mail unter

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