Ruhrfestspielhaus ist jetzt ein Kunstwerk

Installation von Daniel Buren

Die mit nur zwei Werken kleinste Ausstellung zu den Ruhrfestspielen ist zugleich mit 600 Quadratmetern die größte Arbeit, die bislang flankierend zu den Festspielen zu sehen war. Und sie wird diejenige sein, die die meisten Besucher sehen: nämlich alle.

RECKLINGHAUSEN

, 01.05.2015 / Lesedauer: 3 min

Der renommierte Künstler Daniel Buren hat das Festspielhaus und die Kunsthalle in Recklinghausen selbst zu Kunst gemacht. Mit 120 farbigen Folien hat der Franzose, der seit über 50 Jahren als der „Streifenkünstler“ bekannt ist, die Glasfassade des Festspielhauses belegt.

Der Eindruck ist fantastisch: Das Haus strahlt und leuchtet und verändert seinen Charakter je nach Tageszeit.  

Spiel mit Transparenz  

Jedes zweite Fenster der 1999 an das Festspielhaus angebauten Glasfassade hat Buren mit 3,60 mal 1,30 Meter großen, jeweils dreigeteilten Folien bekleben lassen.

Wer nach einem System in dem streng strukturierten grafischen Muster sucht, erkennt schnell das simple Prinzip: Buren hat vier Farben, die das Licht besonders gut reflektieren, nach Alphabet sortiert: blau, gelb, grün, rot, und durchsetzt sie die wiederkehrende Reihenfolge mit weißen Streifen.  

Kann das nicht bleiben?  

Die Transparenz des Hauses hebt bricht Buren mit den Folien auf, macht das Glas aber zugleich damit sichtbar. An den Fenstern der Kunsthalle ist der Effekt tagsüber nicht ganz so groß wie am 15 Meter hohen Ruhrfestspielhaus. Und in dem Museum sind keine weiteren Arbeiten der Künstlers, der mit seinen Installationen den Museen den Rücken gekehrt hat, zu sehen; dort zieht am 13. Mai die „China 8“-Ausstellung ein.

Aber die Installation an der Kunsthalle gegenüber vom Bahnhof schafft Aufmerksamkeit. Schon vor der Eröffnung am heutigen Samstag haben Besucher gesagt „Das ist wunderschön. Kann das nicht bleiben?“ – Kann es nicht, weil es dann keine Ausstellung, sondern der Ankauf eines Kunstwerkes wäre und weil sich die Folie nach ein paar Monaten auflöst oder weil sie mit den Scheiben verbackt.  

Frankreich-Schwerpunkt

Zum Frankreich-Schwerpunkt der Festspiele passt die Installation des Franzosen perfekt. Und mit französischer Kunst wurde 1950 auch die Kunsthalle in einem ehemaligen Bahnhofsbunker eröffnet. Ein Spaziergang zur Kunst ist lohnend.

Knapp 100 000 Besucher haben nach Schätzung der Polizei am 1. Mai bei guter Stimmung die Eröffnung der 69. Ruhrfestspiele am Festspielhaus Recklinghausen mit einem bunten Volksfest gefeiert.

Bis 14. Juni sind 110 Produktionen in 317 Aufführungen zu sehen. Eröffnungspremiere ist am 3. Mai um 18 Uhr „Ich Ich Ich“ von Eugène Labiche als Koproduktion der Festspiele mit dem Residenztheater München in der Regie von Martin Kusej.

Installation von Daniel Buren: Ruhrfestspielhaus und, 2. 7. (Eröffnung um 17 bzw. 19 Uhr) bis 26. 7., Otto-Buhrmeister-Allee 1 und Große-Perdekampstraße 25-27.
Kostenlose Führungen eine Dreiviertelstunde vor den Vorstellungen im Ruhrfestspielhaus und Spaziergänge zur Kunst (auch für Hundehalter).
Informationen: Tel. (023 61) 50 19 35.
Katalog: 20 Euro.