Ruhrtriennale-Chef will im Revier auch für Arme spielen

Johan Simons

Johan Simons "Seid umschlungen, Millionen!" - so wie bei Beethoven lautet die Devise, mit der (Foto) im Sommer 2015 für drei Jahre die Nachfolge von Heiner Goebbels als Intendant der Ruhrtriennale antritt.

DUISBURG

von Von Bernd Aulich

, 18.11.2013, 16:20 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ruhrtriennale-Chef will im Revier auch für Arme spielen

Johan Simons ist ab 2015 drei Jahre lang Intendant der Ruhrtriennale.

"Kunst braucht eine Elite", sagte der 67-Jährige, als er sich gestern auf Einladung von Kulturministerin Ute Schäfer im Landschaftspark Duisburg vorstellte. Für den aus der freien niederländischen Szene stammenden international Theatermann schließt das soziale Verpflichtung ein. "Wir werden die Annäherung an Arbeitende und Arbeitslose suchen." Er will die Gruppe von Menschen im Revier mitnehmen, "die mit sechs Euro pro Tag auskommen müssen und keinen Zugang zu Internet und Arbeitsplätzen haben".

Heimlicher Oberspielleiter

Menschen fürs Theater zu begeistern, die nie ins Theater kommen, hat er schon mit seiner 1985 gegründeten Theatergruppe "Hollandia" versucht. Mit ihr weihte er 2002 zum Start der Ruhrtriennale die Duisburger Gebläsehalle ein. Die Musik für seine Inszenierung "Der Fall der Götter" nach Viscontis Leinwandwerk "Der Fall der Götter" über die Familie Krupp komponierte damals Heiner Goebbels. Und der bezeichnet Johan Simons als "heimlichen Oberspielleiter" der ersten drei Triennale-Jahre unter Gründungsintendant Gérard Mortier.

Verdi in der Jahrhunderthalle Auch Simons Inszenierung "Sentimenti" für die Jahrhunderthalle Bochum hat sich als Sozialstudie des Arbeitermilieus im Revier zu Opernmusik von Verdi eingebrannt.Diese Arbeiten geben ebenso wie die Triennale-Inszenierungen "Das Leben ein Traum" oder "Vergessene Straße" Leitlinien für seine Rückkehr ins Revier nach fünfjähriger Intendanz an den Münchner Kammerspielen.

Opern in Industrieräumen Verraten wollte Simons über seine Pläne noch nichts. Dass er experimentierfreudige Choreografen wie Alain Platel einladen wird und Trilogien plant, die sich über alle drei Jahre erstrecken, ist ein offenes Geheimnis. Und er stellte klar: "Die Ruhrtriennale wird kein Schauspielfestival." Die Industriekathedralen bräuchten auch Opern, um angemessen bespielt zu werden.