Ruhrtriennale endet mit Rekordbesuch

Glänzender Start

Mit dem Motto seiner ersten Ruhrtriennalen-Saison, „Seid umschlungen“ hat Intendant Johan Simons (Foto) das Publikum umarmt. Und die Zuschauer haben diese Umarmung erwidert: Es war mit gut 76 000 Besuchern die bestbesuchte Spielzeit seit Gründung des Festivals 2002.

BOCHUM

, 23.09.2015, 16:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ruhrtriennale endet mit Rekordbesuch

Johann Simons (r.) bei der Abschlusspressekonferenz der Ruhrtriennale 2015.

Sehr glücklich sei er und nach sechseinhalb Festival-Wochen nicht erschöpft, sagte Simons gestern bei der Abschluss-Pressekonferenz im „Domestikator“ vor der Bochumer Jahrhunderthalle: „Ich habe hier Energie getankt. Ich wollte Sie alle umschlingen. Sie können entscheiden, ob das schön oder anstrengend war.“

„Seid umschlungen“ bleibt 2016 das Motto. Vom 12. August bis 25. September will Simons wieder eine neue Spielstätte eröffnen. „Ich hoffe, das wird die Dortmunder Phoenixhalle. Daran müssen wir noch hart arbeiten“, sagte der Intendant. Natürlich sei es bequemer einen perfekt mit Theaterlicht ausgestatteten Raum wie die Bochumer Jahrhunderthalle zu bespielen, „aber mich reizt auch etwas Primitives“, so Simons. Die zunächst avisierte Kokerei Hansa in Dortmund wird wohl weder 2016 noch 2017 ein Ruhrtriennale-Spielort.

„Wahnsinn“ in Dinslaken

In Dinslaken, wo das Festival mit der Kohlenmischhalle einen neuen Spielort entdeckt hat, ist die Triennale so gut angekommen, dass der Bürgermeister geschrieben habe, es sei „ein Wahnsinn“ was die Ruhrtriennale da gemacht habe und er wolle versuchen, aus der Halle nun doch nicht wie geplant einen Bauhof, sondern eine Veranstaltungshalle zu machen, erzählte Simons. Sein Festival seit dort aber erst wieder 2017 zu Gast.

Einen „Ruhr-Ring“ möchte Simons nach dem großen Erfolg seines „Rheingold“ nicht inszenieren: „Ich bin daran zwar total interessiert und werde das mal machen, aber dass das bei der Ruhrtriennale ist, bezweifele ich.“ 2016 steht Musik des 20. Jahrhunderts im Mittelpunkt.

Die letzte Uraufführung ist „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ am Donnerstag (24.9.) in Duisburg. Das Finale im „Refektorium“ ist die Performance „Geschichten aus der Fieberwelt“ am Freitag (25.9.). Die Installationen „The Good, the Bad and the Ugly“, „Ausstellungsstück“ und „In the Land of Drought“ können noch bis 26.9. besucht werden.

„The Rest ist Noise“

Zum ersten Mal verabschiedet sich die Ruhrtriennale nicht in eine Winterpause, sondern überbrückt die Zeit bis Sommer mit der „The Rest ist Noise“. Dies ist die erste Kooperation von sechs großen Sprechtheatern der Region seit der Kulturhauptstadt 2010.

Vom 5. November bis 7. April lesen Schauspieler in Dortmund, Bochum, Oberhausen, Essen, Mülheim und Moers aus dem 700 Seiten dicken Buch „The Rest is Noise“ von Alex Ross, einer Geschichte des 20. Jahrhunderts aus Sicht der Musik. Johan Simons inszeniert die jeweils dreistündigen Abende, die Bochumer Symphoniker begleiten sie mit Kammerensembles mit Live-Musik.

Termine: 5. 11. Essen, 3. 12. Moers, 21. 1. Dortmund, 4. 2. Oberhausen, 17. 3. Mülheim, 7. 4. Bochum. Karten (15 Euro): (02 21) 28 02 10.

44 000 Zuschauer kamen zu den 51 Produktionen mit 150 Veranstaltungen. Das entspricht einer Auslastung von 90 Prozent. Und die Ruhrtriennale hat 13 Prozent mehr Karten verkauft als im Vorjahr. Die meisten Besucher hatten „Accattone“ (6500), „Das Rheingold“ (6020), "Ritournelle" (3700) und „Orfeo“ (3600). In das Kunstdorf vor der Jahrhunderthalle Bochum kamen in den sechseinhalb Wochen 19 900 Besucher, zu „Nomanslanding“ in Duisburg fast 10 000. 900 Künstler aus 20 Ländern und 800 Statisten haben in 41 Eigen- und Koproduktionen 19 Spielstätten bespielt. Besucher kamen auch aus Japan, den USA und viele aus den Benelux-Ländern.