Ruhrtriennale hat schon drei Viertel der Karten verkauft

Festival vor dem Start

Die Ruhrtriennale denkt groß. Der neue Intendant Johan Simons wird das Festival am Freitag, 14. August, mit dem Pasolini-Stück "Accattone" in der Kohlenmischhalle der Zeche Lohberg in Dinslaken eröffnen. Das ist mit 210 Metern Länge ein wirklich gigantisches Bauwerk, in dem zum ersten Mal Theater gespielt wird. Auch ganz schön groß, aber eher zum Schmunzeln, ist dagegen die Darm-Skulptur vor der Jahrhunderthalle Bochum.

BOCHUM

, 07.08.2015, 17:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Theaterfestival, das bis zum 26. September läuft, ist unter dem Motto "Seid umschlungen" auf gutem Wege. "Wir haben 76 Prozent Auslastung erreicht", sagte der Kaufmännische Geschäftsführer Lukas Crepaz bei der Auftakt-Pressekonferenz am Freitag. Das heißt, drei Viertel der 48.500 Karten für die insgesamt 40 Produktionen sind schon abgesetzt. "Es gibt aber für alle Stücke noch Karten", betonte Crepaz. Begehrt sind "Accattone", Wagners "Rheingold" in Bochum und der abenteuerliche Opernparcours "Orfeo" in der Kokerei Zollverein in Essen. Aber nur wenige Abende sind schon ausverkauft. Zu "Orfeo" wird es außerdem zusätzliche Termine geben.

Nur kein Komfort

"Wenn man anfängt, muss man sich in unkomfortable Situationen bringen, sonst kommt nicht Neues dabei heraus", beschrieb der Niederländer Simons, der ein knuffiges Deutsch spricht, seine Arbeit an der Auftaktinszenierung "Accattone" (italienisch: "Bettler") in der Kohlenmischhalle Dinslaken-Lohberg. Diese Weltpremiere wird von der Kulturstiftung des Bundes (mit 800000 Euro!) sowie der Ruhrkohle AG gefördert. Vorbild ist der gleichnamige Film von Pasolini, in dem der Regisseur 1961 vom Elend in den römischen Vorstädten erzählte.

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"Die Halle ist eine Wüste und das passt zu Pasolini", erklärte Simons. Er sprach auch an, dass aus Dinslaken-Lohberg diverse Salafisten kommen. "Eine schreckliche Entwicklung", betonte er und warnte davor, Menschen den Zugang zum Beispiel zu Bildung zu verwehren. In Lohberg gehen nach seinen Angaben nur vier Prozent der Kinder aufs Gymnasium, in ganz Dinslaken beträgt der Anteil 20 Prozent. Die Kinder des Stadtteils werden kostenlos das Familienstück "Sturzflug" besuchen können, das am Eröffnungswochenende Premiere auf dem Hof Emschermündung in Dinslaken feiert.

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Die Installation des Ateliers Van Lieshout

Das Festival Ruhrtriennale holt 2015 eine ganz besondere Installation nach Bochum. Die Skulpturen des Ateliers Van Lieshout unter dem Titel "The Good, The Bad and The Ugly" vor der Jahrhunderthalle sind originell und ein bisschen verrückt.
07.08.2015
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Die "Bar Rectum" ist der besondere Hingucker des Projektes. Es handelt sich um das Riesen-Modell eines Enddarmes. © Foto: Jäger
Das Darmstück liegt genau vor der Jahrhunderthalle. © Foto: Jäger
Das Überblicksfoto von der Brücke an der Jahrhunderthalle zeigt die verschiedenen Elemente der Installation "The Good, the Bad and the Ugly". © Foto: dpa
Dieser Kopf ist die eine Hälfte der Arbeit "The Heads, Claudia & Hermann" des Ateliers Van Lieshout. © Foto: dpa
Und dieser Kopf ist die andere Hälfte. © Foto: Jäger
Im "Refektorium" wurde während der Pressekonferenz am 7. August 2015 noch kräftig gearbeitet. Hier werden später 300 Personen hineinpassen.© Foto: Jäger
Besonders skurril sieht diese Arbeit aus. © Foto: Jäger
Auch eine Kuh gibt´s vor der Jahrhunderthalle zu sehen. © Foto: Jäger
In manche der Gebäude wird man hineingehen oder hineinschauen können. Dieses wirkt innen ein bisschen ekelig. © Foto: Jäger

Außerdem eröffnet am Samstag, 15. August, um 18 Uhr an der Jahrhunderthalle Bochum "The Good, The Bad and The Ugly" (Die Guten, die Schlechten und die Häßlichen). Das ist die größte Installation, die das Atelier Van Lieshout jemals errichtet hat. 20 Lastwagen haben die Skulpturen aus Rotterdam herangeschafft: Die "Bar Rectum" ist einem Darm nachgebildet. Im "Refektorium" gibt´s kostenlose Programme.

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Nomanslanding in Duisburg

"Nomanslanding" heißt die spektakuläre Installation, die die Urbanen Künste Ruhr in diesem Jahr für die Ruhrtriennale realisieren. Es handelt sich um eine Kuppel aus zwei Hälften, die bis 13. September in einem Rheinhafen in Duisburg schwimmt. Wir zeigen Bilder von der Montage, vom "Stapellauf", von der Generalprobe sowie von der festlichen Eröffnung.
17.08.2015
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Bis zum 13. September 2015 ist Nomanslanding täglich von 14 bis 23 Uhr geöffnet.© Foto: Volker Hartmann/Urbane Künste Ruhr
Am 5. August ist die Kuppel für "Nomanslanding" zusammengesetzt worden.© Foto: Rainer Schlautmann/Urbane Künste Ruhr 2015
Zuerst befestigte Jeremy Sparks aus Australien den "Deckel" am Kran. © Foto: Rainer Schlautmann/Urbane Künste Ruhr 2015
Dann bugsierte der Kran den oberen Teil der Kuppel vorsichtig durch die Luft. © Foto: Rainer Schlautmann/Urbane Künste Ruhr 2015
Das Absenken erfolgte gaaaaanz langsam.© Foto: Rainer Schlautmann/Urbane Künste Ruhr 2015
Fast fertig.© Foto: Rainer Schlautmann/Urbane Künste Ruhr 2015
Und ganz fertig. © Foto: Rainer Schlautmann/Urbane Künste Ruhr 2015
Die Kuppel besteht aus zwei Teilen, die sich später öffnen werden.© Foto: Rainer Schlautmann/Urbane Künste Ruhr 2015
Auf diesem Bild erkennt man gut, dass die Montage ganz nah am Rhein erfolgt, wo die Kuppel später schwimmen wird.© Foto: Rainer Schlautmann/Urbane Künste Ruhr 2015
So sah das Ganze zu diesem Zeitpunkt von innen aus.© Foto: Rainer Schlautmann/Urbane Künste Ruhr 2015
Einige Tage später. Am 10. August war es soweit: Ein Autokran sollte "Nomanslanding" zu Wasser lassen. Die Kuppel hatte inzwischen einen silbernen "Mantel" erhalten. Ab neun Uhr morgens wurde der Kran aufgebaut. © Foto: Jäger
Der Künstler André Dekker, der das Werk mit vier anderen Künstler entworfen hat, beobachtete den Aufbau. Barbara Köhler, eine bekannte Dichterin, kam vorbei und schaute ebenfalls zu. © Foto: Jäger
Gegen 15.45 Uhr war es soweit: Der Kran setzte die Kuppel sanft auf den Rhein.© Foto: Frank Vinken/Urbane Künste Ruhr
Ein spektakulärer Anblick!© Foto: Frank Vinken/Urbane Künste Ruhr
Schließlich schwamm das Kunstwerk friedlich auf den Fluten des Rheins. © Foto: Frank Vinken/Urbane Künste Ruhr
Auf diesem Foto kann man das Umfeld gut erkennen. Das Kunstwerk wurde auf der Landzunge zusammengesetzt, weil im Eisenbahnhafen selbst kein Platz für die Arbeiten war. © Foto: Frank Vinken/Urbane Künste Ruhr
Schließlich schoben kleine Boote das Kunstwerk in den Hafen. © Frank Vinken
So sah Nomanslanding in Australien aus.© Foto: Sydney Harbour Foreshore Authority/Urbane K
Ein Blick in den Eisenbahnhafen, bevor "Nomanslanding" kam. © Foto: Jäger
Hier befindet sich eine große Freitreppe, die nun für das Kunstprojekt genutzt werden kann. © Foto: Jäger
Der Tag der Generalprobe am 13. August. "Nomanslanding" liegt jetzt im Eisenbahnhafen Duisburg-Ruhrort.© Foto: Jäger
Die fleißigen Helfer mit den Schwimmwesten warten schon auf die Besucher. © Foto: Jäger
Aber wie legt man die Dinger bloß an?© Foto: Jäger
Auch die Mitarbeiter legen noch letzte Hand an.© Foto: Jäger
Schließlich sind alle mit Westen versorgt und dürfen die Kuppel betreten. © Foto: Jäger
Gegenüber sitzt die Gruppe mit den jeweils andersfarbigen Schwimmwesten. © Foto: Jäger
Auch Katja Aßmann (l.), Leiterin der Urbanen Künste, war zur Probe gekommen. Neben ihr die Künstlerin Robyn Backen aus Australien, die mit vier anderen Kollegen "Nomanslanding" entworfen hat. © Foto: Jäger
Katharina Thienel (im weißen Kleid) sang bei der ersten Generalprobe das bewegende Klagelied. Sie wird sich mit den jungen Sängern Emily Dilewski, Stefanie Koch und Sookwang Choo abwechseln. © Foto: Jäger
Die Eröffnung und damit die Europapremiere fand am 15. August statt. Rund 670 Menschen nutzten gleich am ersten Tag die Gelegenheit, mit der Kuppel zu fahren. © Foto: Volker Hartmann/Urbane Künste Ruhr
Gruppenbild mit Künstlern, Vertretern der Urbanen Künste Ruhr, der Ruhrtriennale, der Kultur Ruhr GmbH und der Politik. © Foto: Volker Hartmann/Urbane Künste Ruhr
Auch Staatssekretär Bernd Neuendorf sprach anlässlich der Eröffnung. © Volker Hartmann
Nomanslanding ist bis 13. September auch abends geöffnet - eine besonderes Erlebnis.© Foto: Jäger
Unweit der Installation befindet sich das 1998 eröffnet Museum für Deutsche Binnenschiffahrt. Wer Zeit hat, sollte es ebenfalls besuchen. Die Ausstellung in einem ehemaligen Hallenbad ist sehr interessant. © Foto: dpa

Am selben Tag, aber schon um 16 Uhr, eröffnet die Installation "Nomanslanding" der Urbanen Künste Ruhr. Die Kuppel, in der eine Soundcollage erklingt, wird im Rhein bei Duisburg (Nähe Museum der Binnenschiffahrt) schwimmen. Auch das dürfte ein großes Spektakel werden.

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