Ruhrtriennale ist eine Verbeugung vor Gerard Mortier

Festival ab 14. August

"Seid umschlungen" hat der neue Intendant Johan Simons als Leitthema für seine erste Saison der Ruhrtriennale ausgegeben. Und hat dabei nicht an die Millionen gedacht.

BOCHUM

, 23.02.2015, 16:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Obwohl die ansehnlich sind: Einen Etat von 14,5 Millionen Euro hat das zu 80 Prozent öffentlich geförderte Festival, davon entfallen in jedem der drei Jahre je 400 000 Euro auf das Künstlerdorf, das mit der Bikini-Bar vor der Bochumer Jahrhunderthalle entsteht (wir berichteten).

„Diese Triennale knüpft an die von Gerard Mortier an. Sie ist eine Verbeugung vor Mortier“, betonte Simons gestern bei der Programmpräsentation in der Bochumer Jahrhunderthalle.

 

  • Oper: Mit „Accattone“ nach dem Film von Pasolini und zu Musik von Bach stellt sich Simons bei der Eröffnung am 15. 8. in der Zeche Lohberg in Dinslaken als Regisseur vor. Der Boden der 200 Meter langen Halle, die ein neuer Spielort ist, sei mit Kohle bedeckt. „Die Aufführung wird eine Höllenfahrt“, so Simons.

Auch das „Rheingold“ von Wagner inszeniert der Intendant – in der Bochumer Jahrhunderthalle. Das ist eine von drei Schöpfungsgeschichten des Festivals: es folgen „Prometheo“ von Nono und Haydns „Schöpfung“, beide in der Kraftzentrale Duisburg.

Und mit „Orfeo“ von Monteverdi bietet Simons auf Zollverein in Essen ein weiteres spannende Opernexperiment: einen Parcours durch acht Räume, in die nur jeweils zehn Zuschauern hinein dürfen.

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  • Schauspiel: Das Schauspiel ist zurück bei der Triennale – mit drei großen Romanen: „Die Franzosen“ nach „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Proust (eine fünfstündige Aufführung ab 21. 8. in Gladbeck), „Die stille Kraft“ nach Couperus (ab 18. 9. auf Zollverein) und „Liebe“ nach Zola als Auftakt einer Trilogie.
  • Tanz: Vier Tanzabende gibt es: von Keersmaker nach Rilke-Texten (24.-26. 9., Duisburg), vom Bayerischen Staatsballett (ab 15. 8. in Essen) und zwei in Kooperation mit Pact Zollverein (28. 8. und 17. 9.).
  • Kunst: Außer dem Bochumer Künstlerdorf und „Normanslanding“ der Urbanen Künste in Duisburg-Ruhrort (wir berichteten) gibt es das Skulpturen-Film Projekt „The Creation“ in Duisburg sowie Kunst in Schaufenstern in Bochum, Dinslaken und Duisburg.
  • Musik: Das Musikprogramm ist pop-lastig. Ein Fest für elektronische Musik eröffnet am 15.8. in der Bochumer Jahrhunderthalle das Festival. Ein weiterer Höhepunkt ist das Hommage-Konzert an Mortier am 16. 8. in Duisburg mit Lieblingswerken des verstorbenen Triennale-Chefs von Berg und Messiaen. Chorwerk Ruhr führt mit den Bochumer Symphonikern am 4. / 5. 9. Mozarts Requiem in Gladbeck auf – aber nur die Töne, Mozart komponiert hat.

Richtig pfiffig ist das Programmheft, das kein Buch, sondern eine faltbare Landkarte der Region ist, auf der die Spielorte und Stücke eingezeichnet sind. Auf der Rückseite gibt es den kalendarischen Spielplan und eine alphabetische Liste aller Stücke.

Daten und Fakten zum Festival:

  • Rund 140 Veranstaltungen bietet die Ruhrtriennale vom 14. August bis 26. September.
  • Von den 40 Produktionen sind 33 Eigen- und Koproduktionen, 17 Weltpremieren, Neuproduktionen, Deutschlandpremieren und Installationen.
  • 18 Spielstätten hat die Ruhrtriennale in den sieben Städten Bochum, Dinslaken, Duisburg, Essen, Gladbeck, Mülheim und Oberhausen.
  • Mehr als 1650 Künstler aus über 20 Ländern treten auf, darunter knapp 1000 Statisten.
  • Einen Etat von 14,5 Millionen Euro hat das Festival von Johan Simons.
  • Rund 47 000 Karten verkauft die Ruhrtriennale; bis 3. Mai gibt es für Frühbucher 15 Prozent Rabatt. 50 Prozent Ermäßigung gibt es für Kinder, Schüler, Studierende bis einschließlich 27 Jahren sowie für Auszubildende und Erwerbslose.
  • Last-Minute-Karten (unter 27 Jahren) gibt es ab 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn für 10 Euro.

L Karten: seit gestern unter Tel. (0221) 28 02 10.

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