RuhrTriennale: "Rocco und seine Brüder" nah an der Filmvorlage

BOCHUM Die Geschichte von Rocco und seinen Brüdern spielt im Italien der 50er Jahre. Verfilmt und berühmt gemacht hat sie Luchino Visconti 1960. Indes scheint die Geschichte gar nicht mehr so fern. Denkt man sich Rocco als einen Moslem aus Ostanatolien, der versucht, die Familienehre in einer heutigen westlichen Großstadt zu verteidigen, sind die Parallelen kaum noch zu übersehen.

von Von Karsten Mark

, 28.09.2008 / Lesedauer: 2 min
RuhrTriennale: "Rocco und seine Brüder" nah an der Filmvorlage

Szene aus ?Rocco und seine Brüder? mit (v.l.) Alwin Pulinckx als Ciro, Hans Kesting als Simone, Rene van Zinnicq Bergmann als Vincenzo und Fedja van Huet in der Rolle des Rocco.

Theaterregisseur Ivo van Hove und seine Toneelgroep haben Viscontis Migrationsdrama "Rocco und seine Brüder" auf die Theaterbühne gebracht. Allerdings überlassen sie es dem Publikum, die offenbaren Parallelen auszumachen. Sie bringen den Film zwar in einer geschickten und einfallsreichen Umsetzung, aber im Kern sehr vorlagennah auf die Bühne. Zurzeit ist die Produktion in einer deutschen Fassung bei der RuhrTriennale in der Bochumer Jahrhunderthalle zu sehen.

Zuschauer strichen Segel

Wie nah die Bühnenfassung dem Film kommt, wird auch an der Aufführungsdauer deutlich. Knapp drei Stunden dauert der Film, und so lange muss auch das Publikum ausharren - ohne eine Pause. Selbst im Kino ist den Zuschauern bei so langen Streifen eine Pause gegönnt. Und es ist sicher kein Zufall, dass bei der Premiere gleich ein ganzer Schwung von Zuschauern nach zwei Stunden die Segel strich.

Keine leichte Kost

An mangelnder Qualität kann es nicht gelegen haben. Denn die Toneelgroep spielt durchweg hervorragend. Und das Regie-Konzept mit einem Boxring-ähnlichen Karree in der Mitte - dem Austragungsort der Konflikte -, vier zimmerartigen Bühnenelementen in den Ecken und vier Publikumstribünen ist äußerst reizvoll. Szenen können so nahtlos oder sogar in leichter Überlappung aneinander montiert werden. Das schafft Tempo, wirkt sich aber leider nicht straffend auf das gesamte Stück aus.

Keine leichte Kost, sondern ein hartes Unterschichtendrama und leider auch völlig überzogenen Soundeffekten, die mitunter in den Ohren schmerzen. Ivo van Hove und seine Truppe verlangen dem Publikum einige Leidensfähigkeit ab. Aber sie belohnen am Ende mit gutem, spannenden Theater.

Termine im September und Oktober: 30.9., 1., 2., 4.10.; Karten: Tel. (07 00) 20 02 34 56.

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