Ruhrtriennale zeigt Cate Blanchett in 13 Rollen

Spektakuläre Kunst-Installationen

Das Festival Ruhrtriennale - es hat am Freitagabend mit der Oper "Alceste" begonnen - bietet bis zum 24. September edle Theater-Aufführungen. Aber es gibt wie jedes Jahr auch populäre Kunstwerke, die sogar Kulturmuffel begeistern können. Drei Stück sind es diesmal.

BOCHUM

, 12.08.2016, 19:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

1. Manifesto in Duisburg

Im spektakulärsten Projekt ist Cate Blanchett zu sehen. "Manifesto" heißt die Filminstallation von Julian Rosefeldt, die am Samstag (13.8.) um 13 Uhr in der Kraftzentrale des Landschaftsparks Duisburg-Nord eröffnet. Ein Erlebnis für alle Sinne und den Verstand noch dazu. In der pechschwarzen Halle hängen 13 riesige Leinwände, auf denen die Oscarpreisträgerin jeweils 10,5 Minuten lang in 13 verschiedenen Rollen agiert. Einfach irre, ihre Wandlungsfähigkeit! Der Obdachlose, die verängstige Wissenschaftlerin, die Börsenmaklerin oder eine Nachrichtensprecherin, die sich selbst als Reporterin interviewt - alles ist Cate.

"Ich kenne keine andere Schauspielerin, die das hätte so leisten können", sagt Rosefeldt. Der Berliner hatte Blanchett zufällig kennengelernt, sie hatte sich an zwölf Drehtagen mit aller Kraft in die Rollen hineingeworfen. Rosefeldt: "Es konnte sein, dass man mit einem grantelnden Obdachlosen zum Mittagessen ging, weil Cate ihre Rolle nicht verlassen wollte." Die Schauspielerin spricht übrigens Texte, die nicht zu den Bildern passen. Es sind Manifeste aus der Geschichte der Kunst - etwa solche aus Futurismus oder Dada. Erst auf den zweiten Blick merkt man: Der Futurismus, der in die Geschwindigkeit verliebt war, könnte doch zu den schnellen Entscheidungen einer Börsenmaklerin passen. Einziger Nachteil: Die Australierin Blanchett spricht Englisch, das deutsche Begleitheft kann man aber im Dunklen nicht lesen.

Landschaftspark Duisburg-Nord, 13.8.-24.9.2016, Di-So 13 bis 20 Uhr, 16./17.9. nur 13-17.30 Uhr, geschlossen 6./7./12.-15.9., Eintritt 5 Euro.

 

 

2. Das Kunstdorf in Bochum

Das "Kunstdorf" vor der Jahrhunderthalle Bochum ist Festivalzentrum und Ausstellung zugleich. Unter dem Titel "The Good, the Bad and the Ugly" (Die Guten, die Schlechten und die Hässlichen) zeigt der Niederländer Joep van Lieshout wie schon 2015 seine rotzfrechen Skulpturen. Wo gibt es sonst einen begehbaren Darm? In diesem Jahr heißt das Thema "Mensch und Maschine", dazu hat der Künstler drei Roboter selbst gebaut. Das "Orakel" ist ein Drahtkopf, der mit den Augen rollt und den Ohren schlackert. Er spricht alles aus, was man ihm per SMS schickt. Die Rufnummer steht auf einer Kreidetafel daneben. Ein Beitrag zur digitalen Freiheit, so Lieshout. Witzig sind auch die "Talking Heads". "Wir können uns unendlich vermehren", sagte der eine Roboter. "Gute Idee", antwortet der andere.

Bis 24.9.2016, täglich geöffnet von 13-21 Uhr, kostenlos.

 

 

 

3. "well,come" in Dortmund

Erst am Samstag (13.8.) geht es los mit dem Projekt "well,come" der Urbanen Künste Ruhr. Das Architektenbüro Osa hat die Gondel bauen lassen, die am Dortmunder Hafen von einem Kran in die Höhe gehoben werden wird. Jeweils 15 Menschen schweben über dem Wasser und erleben eine Video- und Sound-Installationen zu den globalen Strömen unserer Zeit - Kapitalströme, Flüchtlingsströme, Warenströme. Wegen ihres erikavioletten Farbtons haben die Erbauer von der Firma Osterholt in Henrichenburg die Gondel "Erika" getauft. Ob sich die Fahrt mit Erika lohnt, wird sich heute herausstellen. Wir werden berichten.

13.8. (Eröffnung 15 Uhr) - 24.9.2016, jeweils Sa 10-20 Uhr und So 10-18 Uhr. Die 20- minütigen Kunstfahrten sind kostenlos, eine Reservierung im Internet wird aber empfohlen. Einer von drei Terminen pro Stunde (20 Minuten nach der vollen Stunde) bleibt den Spontan-Besucher vorbehalten.