Ruhrtriennale zeigt "Die Fremden" in Marler Kohlenmischhalle

Programm 2016 vorgestellt

Johan Simons ist ganz schön streng. "Wir können das Nachdenken über unsere Zeit nicht nur Politikern überlassen", warnte der Intendant des Festivals Ruhrtriennale, als er das Programm für seine zweite Saison vom 12. August bis 24. September vorstellte. Also: Die Ruhrtriennale wird politischer. Es wird Stücke über fremde Menschen geben, aber auch fremde Stücke und neue Spielorte.

14.04.2016, 16:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Ruhrtriennale präsentierte ihr Programm am Mittwoch im Landschaftspark Duisburg-Nord - eine Veranstaltung mit einem starken niederländischen Akzent. Denn nicht nur der Chef Johan Simons, sondern auch diverse Dramaturgen kommen aus Holland. Das Programm ist jedoch nicht orange, sondern international: 900 Künstler aus 25 Nationen gestalten 32 Produktionen. Für die 120 Aufführungen gibt es 47000 Karten. Sehr ungewöhnlich: Unter dem Titel "Urban Prayers Ruhr" wird es erstmals Veranstaltungen in sechs Gotteshäusern geben.

Musiktheater

Aber vor allem "Die Fremden" (ab 2.9.) dürften ein Hit werden. Der Autor Kamel Daoud ist mit seinem aktuellen Roman gegen den Klassiker "Der Fremde" von Albert Camus zu Felde gezogen, denn bei Camus erschießt der Franzose Meursault einen namenlosen Algerier. Dem Opfer gibt Daoud nun einen Namen und verlangt Gerechtigkeit. Als Regisseur lässt Simons das Ganze in der gigantischen Kohlenmischhalle der gerade stillgelegten Zeche Auguste Victoria in Marl spielen. Ein neuer, abenteuerlicher Ort.

Eröffnet wird das Festival jedoch wie immer in der Jahrhunderthalle Bochum - und zwar am 12.8. mit "Alceste", der Oper von Christoph Willibald Gluck. René Jacobs dirigiert die frühe italienische Fassung aus dem Jahr 1767, auch hier wird Simons Regie führen.

"Earth Diver" kombiniert im Salzlager der Kokerei Zollverein ab 21.9. die Ausbeutung der Natur - gezeigt werden Bilder aus russischen Minen - mit barocken Klängen von Heinrich Schütz. "Spem in alium" heißt die wunderschöne Motette von Thomas Tallis, mit dem der Chor MusicAeterna am 17. August in der Dortmunder Maschinenhalle Zollern gastiert. Ein Höhepunkt der Renaissancemusik.

Musikalische Experimente gibt es aber auch. Im extrem selten zu hörenden "Carré" von Karlheinz Stockhausen nehmen vier Orchester die Zuschauer in die Zange (18./19.8., Jahrhunderthalle Bochum).

Schauspiel

Star-Regisseur Ivo van Hove zeigt "Die Dinge, die vorübergehen" in der Gladbecker Maschinenhalle Zweckel nach dem Roman von Louis Couperus, der die vernichtenden Folgen einer heimlichen Liebe erzählt. Der nicht minder bekannte Regisseur Luk Perceval setzt die "Trilogie meiner Familie" nach Émile Zola ab 7.9. mit "Geld" im Landschaftspark Duisburg-Nord fort. Eine berühmte Schauspielerin gibt sich dort ebenfalls die Ehre: Birgit Minichmayr (Foto) wird ab 15.9. als "Medea" zu sehen sein.

Tanz

Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker ist Stammgast des Festivals, diesmal zeigt sie "Golden Hours" ab 22.9. in der Jahrhunderthalle Bochum. Auf PACT Zollverein präsentiert Meg Stuart ab 25.8. die "Sketches" (sehr zu empfehlen). Ebenfalls sehr bekannt ist Alain Platel, der beim "Mahler-Projekt" mit der Künstlerin Berlinde De Bruyckere zusammenarbeitet (ab 1.9., Bochum).

Installationen

Wie immer wird es auch spektakuläre Installationen geben. Ab 13. August können mutige Kunstfans im Dortmunder Hafen an Bord eines pinkfarbenen Kunst-Containers gehen, der an einem Laufkran in eine Halle schwebt.

Die große Schauspielerin Cate Blachett hat - in verblüffend verschiedenartiger Aufmachung - für den Künstler Julian Rosefeldt eine Reihe von Kunstmanifesten vor der Kamera eingelesen. Sie werden ebenfalls ab 13.8. unter dem Titel "Manifesto" in der Kraftzentrale des Landschaftsparks Duisburg-Nord zu erleben sein. Auch in diesem Jahr eröffnet das Kunstdorf an der Jahrhunderthalle Bochum - nur, dass diesmal unter dem Motto "Teentalitarismus" hier die Teenager das Sagen haben.

Für Kinder

"Studio Orka" war schon im letzten Jahr ein Hit. Das neue Stück "Sumpfland" spielt in einer Bottroper Kneipe, die langsam im Boden versinkt - aber nicht, ohne Menschen zwischen acht und 108 Jahren vorher noch bestens unterhalten zu haben.

Karten unter (0221) 280210. Frühbucherrabatt von 15 Prozent bis 22. Mai (mit wenigen Ausnahmen).