Rund 400 Beschäftigte ziehen durch Bochum

ver.di-Streik

BOCHUM "Wir schreiben heute Tag vier", sagt Norbert Arndt, Gewerkschaftssekretär bei ver.di in Herne. Tag vier des Arbeitskampfes der Erzieherinnen und Erzieher, Sozialpädagogen und Sozialarbeiter. Am Tag vier haben sich rund 400 Beschäftigte aus Bochum und Herne auf dem Husemannplatz versammelt, um mit einem Demonstrationszug auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen.

von Von Nina Vogt

, 19.05.2009, 12:02 Uhr / Lesedauer: 1 min
"Keine Kürzungen bei den Kurzen"

"Keine Kürzungen bei den Kurzen"

Bereits am Freitag und am Montag waren die städtischen Kindertagesstätten geschlossen geblieben, hatten sich zahlreiche Sozialpädagogen und -arbeiter dem Streik angeschlossen. Am 6. Mai hatte es einen Warnstreik gegeben. Die Bochumer Gewerkschaftssekretärin Antje Rösener gibt sich auf der Kundgebung am Dienstagvormittag zufrieden: "Es werden immer mehr, die sich an diesem Arbeitskampf beteiligen", sagt sie. "Ich bin überwältigt. In den letzten Tagen hatten wir bei ver.di rund 80 Neuaufnahmen." Mit den Aktionen gelange die Betroffenheit der Beschäftigten endlich an die Öffentlichkeit. Rösener steht am ver.di-Stand und verteilt fleißig Mützen, Tröten und ver.di-Fähnchen. Auf einem selbst gemalten Plakat machen die Beschäftigten ihre Forderung deutlich: "Keine Kürzungen bei den Kurzen!"Immer mehr langfristige Erkrankungen ver.di fordert die Einführung eines Tarifvertrags zur Gesundheitsförderung. Antje Rösener erklärt: "Erzieherinnen, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen haben den Anspruch Kinder zu fördern. Und das wollen sie gesund tun - bis zur Rente." Durch die immensen Belastungen käme es in diesen Berufssparten jedoch immer öfter zu längerfristigen Erkrankungen - Rückenbeschwerden, Beschwerden durch Lärm, Burn Out, psychische Probleme. Der Herner Gewerkschaftssekretär ergänzt vor der Menge: "Der  am Montag veröffentlichte Armutsatlas zeigt uns: Immer mehr Menschen leben in Armut. In die Kindertageseinrichtungen kommen immer mehr Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten. Die Kinder sind morgens ungesättigt." Verhandlungen mit den Arbeitgebern am 27. Mai "Am 27. Mai werden die Verhandlungen mit den Arbeitgebern über die Eingruppierung in eine neue Entgeldordnung wieder aufgenommen", sagt der Herner Gewerkschaftssekretär. "Dann erwarten wir  auch einen Vorschlag für einen Tarifvertrag zur Gesundheitsförderung." Den Kampf für diesen Tarifvertrag bezeichnet er nicht als isolierten Arbeitskampf. "Wir machen einen Beginn, um anschließend bessere Ausgangsbedingungen für andere Berufsgruppen zu erreichen." Nach der Kundgebung auf dem Husemannplatz zogen die Beschäftigten über Viktoriastraße, Königsallee und Oskar-Hoffmann-Straße zur Universitätsstraße und zur dortigen ver.di-Zentrale.