Rusalka liegt bei Freudauf der Couch

Aalto-Theater

Ein "lyrisches Märchen" hat Antonin Dvorák seine Oper "Rusalka" genannt. Die am Samstag am Essener Aalto-Theater herausgekommene Inszenierung von Lotte de Beer und ihrem Produktionsteam "Nieuw Nederlands Operafront" ist allerdings auch sehr dramatisch und zugleich wenig romantisch-märchenhaft.

ESSEN

, 25.05.2015, 11:27 Uhr / Lesedauer: 1 min
Rusalka liegt bei Freudauf der Couch

Zur „Menschwerdung“ wird Rusalka von der Hexe (Lindsay Ammann) beschnitten.

Da wird die Bühne im Aalto-Theater nicht zum Wasserreich mit Nixen, sondern zu einem Wasserkur-Sanatorium aus der Entstehungszeit der Oper um 1900 mit altmodischen Badewannen. Und Rusalka wird nach ihrem Bade zur "Menschwerdung" auf dem OP-Tisch unter Schmerzen beschnitten, bei einem leibhaftig auftretenden Sigmund Freud auf die Couch gelegt, nach ihrem Widerstand gegen Anordnungen der Hexe in eine Zwangsjacke gesteckt und schließlich von einer kühlen Krankenschwester per Injektion eingeschläfert.

Psychoanalyse

Psychoanalysiert und traumgedeutet, offenbart die Märchenoper so Einiges über Geschlechterrollen und Triebe. Frauen werden von den Männern begehrt, gejagt, besessen. Zugespitzt hat die Niederländerin Lotte de Beer das beim Ball auf dem Schloss im zweiten Akt, bei dem sie die Männer als Schürzenjäger über ihre Opfer herfallen, sie in Korsetts einschnüren und Reifröcke als Käfige drüberstülpen lässt.

Spannend erzählt

Das alles wird spannend und unmittelbar einleuchtend erzählt - und von den differenziert musizierenden Essener Philharmonikern und einem exzellenten Solistenensemble unter der Leitung von Essens tschechischem Generalmusikdirektor Tomas Netopil klangschön und mit slawischem Impetus umgesetzt.

Sandra Janusaites Rusalka zeigt eine breite Palette zwischen Lyrik und Hochdramatik à la Verdi oder Dvoráks jüngerem Zeitgenossen Puccini, mit zusätzlicher Intensitätssteigerung am Schluss.

Der junge tschechische Tenor Ladislav Elgr als Gastsolist ist ihr strahlkräftiger Prinz mit unangestrengten Spitzentönen. Almas Svilpas kraftvoll sonorer Wassermann hat stets etwas Drohendes in der Stimme, Lindsay Ammann als seine im gleichen Pelz auftretende Komplizin, die Hexe, betört stimmlich und ist in ihrem Spiel fies und witzig zugleich.

Christina Clark, Liliana de Sousa und Ieva Prudnikovaite geben ein berückendes Elfen-Trio ab.

 

Termine: 27./29./ 31.5., 4./13./16./19./ 21./ 25.6.; Karten: Tel. (0201) 8122200.

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