RWE sagt Bund Gewinnanteil zu

Laufzeitverlängerung von Atommeilern

ESSEN Der Energieversorger RWE hat dem Bund Gewinnzusagen bei einer Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke gemacht. „Wir sind bereit, einen erheblichen Teil der Mehrerlöse abzugeben“, sagte Vorstandschef Jürgen Großmann am Donnerstag vor Aktionären in Essen.

22.04.2010, 14:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
RWE-Chef Jürgen Großmann

RWE-Chef Jürgen Großmann

Über die Höhe sagte er nichts. Es gebe Grenzen. „Wenn es ökonomisch für uns keinen Sinn macht, dann kann es eine Vereinbarung mit uns nicht geben.“ Die Bundesregierung will imSommer Gespräche über Laufzeitverlängerungen beginnen. Im Koalitionsvertrag von Schwarz- Gelb sind längere Laufzeiten vorgesehen. Die Bundesregierung möchte allerdings zumindest einen Teil der Zusatzgewinne abschöpfen. Erneuerbare Energien Atomstrom kann in Deutschland kostengünstig produziert werden, weil die Meiler jahrzehntealt sind und keine oder kaum noch Abschreibungen gemacht werden müssen. Großmann forderte erneut eine Verlängerung der Laufzeiten aller 17 deutschen Kernkraftwerke. Alle seien sicher und würden wie auch Kohlekraftwerke mit ihren Gewinnen zum Ausbau Erneuerbarer Energien beitragen. Sie könnten außerdem bei der schwankenden Einspeisung vonStrom aus Wind ausgleichend wirken. Zum Problem der Atommüllentsorgung sagte Großmann nichts.InvestitionenNeue Kernkraftwerke will RWE im Ausland bauen. Eine Entscheidung zum Bau des 1,4 Gigawatt-Projekts im rumänischen Cernavoda an der Donau soll in dem internationalen Konsortium mit RWE-Beteiligung 2011 fallen. Wegen möglicher Erdbebengefahr ist dieses Projekt umstritten. Zuletzt hatte sich RWE aus einem Projekt in Bulgarien, ebenfalls an der Donau, zurückgezogen. InGroßbritannien will RWEzusammen mit Eon Kernkraftwerke in einer Größenordnung bis insgesamt 6 Gigawatt bauen. Dort könnten weitere Entscheidungen noch dieses Jahr fallen.Kohlekraftwerke Gegen die Atompläne von RWE und auch den Bau von Kohlekraftwerken demonstrierten vor der Essener Grugahalle Umweltorganisationen. Sie fordern einen schnelleren Ausbau regenerativer Energien.  Vor allem mit hohen Erlösen aus dem Stromverkauf will RWEim laufenden Geschäftsjahr ein Rekordergebnis erzielen. Reingewinn und Betriebsergebnis sollen jeweils um 5 Prozent steigen, sagte Großmann. 2009 hatte RWE 7,1 Milliarden Euro im operativen Geschäft und 3,6 Milliarden Euro Reingewinn erzielt. Als Dividende schlägt der Vorstand 3,50 je Aktie vor. Im Vorjahr hatte RWEdank Zulage wegen des Verkaufs vonAmerican Water 4,50 Euro ausgeschüttet. Stromgeschäft RWEerwartet im Stromgeschäft erneut gute Renditen. Schon jetzt seien die Kontingente für 2010 fast komplett zu guten Preisen verkauft, für 2011 und 2012 zu großen Teilen. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern von langfristigen Kontrakten profitiert und rund 70 Euro je Megawatt eingestrichen, während die Preise an der Strombörse bei gut der Hälfte lagen. Bislang hatte Großmann vor dem Hintergrund der günstigen Stromgeschäfte konstante Preise für Endkunden bis Mitte des Jahres angekündigt.Atommeiler   Zu den steigenden Konzerngewinnen sollen 2010 vor allem die Atommeiler Biblis A und B beitragen. Beide Blöcke liefen 2009 nur insgesamt drei Monate. RWE kann außerdem den Neuerwerb des vergangenen Jahres, den niederländischen Versorger Essent, erstmals über ein ganzes Jahr in die Bilanz einbeziehen. 2009 trug Essent im viertenQuartal 141 Millionen Euro zum Betriebsgewinn bei. Das war mehr als erwartet.