Sänger gingen im Orchesterklang leider unter

Essener Philharmonie

Im schlimmsten Fall muss ein Konzert bei der Erkrankung des Dirigenten ausfallen. Für das Gastspiel des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks am Sonntag in der Essener Philharmonie wurde kurzfristig prominenter Ersatz gefunden.

ESSEN

von Von Klaus Stübler

, 28.11.2011, 13:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der gestandene kanadische Heldentenor Ben Heppner musste in der Essener Philharmonie gegen das Orchester ansingen.

Der gestandene kanadische Heldentenor Ben Heppner musste in der Essener Philharmonie gegen das Orchester ansingen.

Für den zunächst angekündigten Italiener Riccardo Chailly sprang der Israeli Eliahu Inbal ein. Und er drückte dem Abend vor allem in punkto dynamischer Gestaltung seinen Stempel auf. Arnold Schönbergs expressive wie sinnliche Tondichtung "Verklärte Nacht" ging vor allem an den leisen Stellen unter die Haut. Wegen der klanglichen Zurücknahme und der tollen Solisten an den ersten Pulten schien zudem immer wieder die ursprüngliche Streichsextettfassung durch - und das, obwohl die Musiker die Bearbeitung für großes Streichorchester (mit allein acht Kontrabässen!) spielten.Mahlers "Lied von der Erde" Als Hauptwerk brachten die Münchner das fast auf den Tag genau vor 100 Jahren in ihrer Heimatstadt uraufgeführte "Lied von der Erde" von Mahler mit. Solisten in dem 60-minütigen symphonischen Liederzyklus waren die aufstrebende niederländische Mezzosopranistin Christianne Stotijn und der gestandene kanadische Heldentenor Ben Heppner. Beide durften sich unter Inbal jedoch nicht frei entfalten, sondern mussten sich als Teile des Orchesters behaupten. Für die auswendig singende und große Ruhe ausstrahlende Christianne Stotijn war dies das kleinere Problem, sah sie sich in ihren Liedern doch oft nur mit zarten Holzbläsern konfrontiert.Gesungener Text war kaum zu verstehen Heppner hingegen musste gleich im einleitenden "Trinklied vom Jammer der Erde" gegen scharfe Blechbläserakzente und sogar das volle Orchester ansingen. Trotz seiner deutlichen Artikulation war da vom gesungenen Text kaum was zu verstehen. Und im Lied "Der Trunkene im Frühling" ging er stimmlich derart an die Grenze, dass es ihm zuletzt fast die Kehle zuschnürte. Schade.

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