"Sänger ohne Schatten" handelt von Rollen und Identitäten

Ruhrtriennale

Was haben die amerikanische Primadonna Karan Armstrong, der Schweizer Tenor Christoph Homberger und der ghanesisch-bayerische Countertenor Yosemeh Adjei gemeinsam? Sie alle sind Opernsänger.

GLADBECK

, 24.08.2014, 13:05 Uhr / Lesedauer: 1 min
"Sänger ohne Schatten" handelt von Rollen und Identitäten

Karan Armstrong

Der Schweizer Theatermacher Boris Nikitin brachte sie am Freitag bei seinem Ruhrtriennale-Debüt "Sänger ohne Schatten" in der Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck erstmals gemeinsam auf die Bühne. Ein unterhaltsamer Abend über Schein und Sein, über Lebensläufe und Stimmen, Rollen und Identitäten.Privatpesonen und Opernrollen

Die Mischung macht's: Da sind drei Vokalisten unterschiedlichen Lebensalters, Stimmcharakters und Erfahrungshorizonts zu erleben. Karan Armstrong, Christoph Homberger und Yosemeh Adjei treten gleichsam als Privatpersonen auf und erzählen, leger gekleidet, von sich und ihren Opernrollen, die sie teilweise unbegleitet, "nackt", reduziert auf die eigene Stimme, vortragen.

Der durch seine Arbeiten mit Christoph Marthaler bekannte exhibitionistische Christoph Homberger macht den emphatischen Auftakt als eingekerkerter Florestan in Beethovens "Fidelio": "Gott", schreit er hinaus, und dann, zurückgenommen, "welch Dunkel hier".

Die gleiche Wahrhaftigkeit des Ausdrucks verleiht Yosemeh Adjei in der Arie "La sorte mia tiranna" dem Titelhelden aus der Händel-Oper "Siroe".

Während die beiden Männer bei ihrem Singen auch vollen Körpereinsatz zeigen, berührt die wegen eines Bandscheibenvorfalls im Rollstuhl sitzende Karan Armstrong als Wozzeck-Marie ganz ohne Gestik und Mimik. Der einstige Star der von ihrem Ehemann Götz Friedrich geleiteten Deutschen Oper Berlin nimmt auch in ihrer Rede durch schonungslose Ehrlichkeit für sich ein.Primadonna für Moderne

Die "Primadonna für Moderne" bekennt: "Ich forciere mich selber, über die Grenze zu gehen" und "Ich habe immer keine Angst gehabt, meine Stimme zu ruinieren". Über ihre heutige Stimme sagt sie: "Die Spitzentöne sind so schrecklich, ich singe sie nicht mehr.

Und dann lässt die 72-Jährige ihre ganze Reife und Klasse in die von ihr besonders geliebte Rolle der Marschallin aus dem "Rosenkavalier" einfließen. Dabei wird ihr Gesang Programm: "Und in dem Wie, da liegt der ganze Unterschied".

Termine: 28./29./30.8., 5./6./ 7.9.; Karten: Tel. (0221) 28 02 10.

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