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Saison startet mit einer Botschaft der Brüderlichkeit

Konzerthaus Dortmund

Manchmal hat ein Konzerthaus-Intendant Glück, wenn er zwei Jahre im Voraus die Saison plant. Beethovens und Schillers Botschaft der Brüderlichkeit in der neunten Sinfonie, vor 230 Jahren geschrieben und vor 192 Jahren vertont, war am Mittwoch im Konzerthaus Dortmund in dieser Zeit des Flüchtlingselends ein klingender Appell zur Hilfe.

DORTMUND

, 10.09.2015 / Lesedauer: 2 min

Am Pult des Eröffnungskonzerts der 14. Saison gab Christoph von Dohnányi einen Tag nach seinem 86. Geburtstag sein Debüt in Dortmund. Und noch ein Glücksfall: Im Solistenquartett war ganz kurzfristig der neue Bayreuther Siegfried, Stefan Vinke, eingesprungen. Der hat übrigens seine Karriere vor 25 Jahren in Bochum, als Solist des Uniorchesters begonnen.

Und ausgerechnet dieser Wagner-Heldentenor war im Solistenquartett (Katrin Kapplusch, Ruxandra Donose und James Rutherford) der Sänger mit der schlankesten Beethoven-Stimme.

Es war ein Ereignis, den Altmeister aus Berlin und Hamburg zu erleben, wie er mit winzigen Gesten mit den Fingerspitzen Klänge aus dem Philharmonia Orchestra London herauskitzelte. Bläser so zu schattieren, war große Kunst.

Im dritten Satz nahm die Interpretation Fahrt auf

Der rasanten Beethoven-Interpretation von Paavo Järvi und der pulsierenden Deutung von Simon Rattle setzte von Dohnányi eine im Klang sehr deutsche Interpretation entgegen. Das war gute alte Dirigentenschule, die in den beiden ersten Sätzen konzentriert, aber nicht übersprudelnd klang. Danach nahm die Interpretation des Maestros aber auch im Tempo viel Fahrt auf.

Da ergoss sich die Musik spannungsvoll und im Finale mit dem 116 Stimmen starken, guten Philharmonischen Chor Bonn hymnisch in den Saal. Und da war auch das Orchester, das anfangs noch mit einem Fuß in den Ferien schien, spielfreudiger und konzentrierter.

Maestro mit Furtwängler- und Karajan-Charisma

Von Dohnányi ist ein Antipode zu all den jungen, wilden, stürmischen Dirigenten – ein Maestro mit Furtwängler- und Karajan-Charisma. Und ein Meister der feinen Schattierungskunst und des elastischen Klangs.

Aber einer der dennoch die Funken der Freude mitreißend sprühen ließ. Großer Jubel – ein spannender Start in eine Saison, die viele Höhepunkte verspricht.