San Miguel

T.C. Boyle

Der Schreibstil T.C. Boyles hat sich verändert. Waren die ersten Romane des 1948 geborenen amerikanischen Autors wie "Wassermusik" Anfang der 80er-Jahre noch geprägt von skurrilen Figuren sowie unglaublich witzigen Einfällen und Formulierungen, erzählt er seine Geschichten heute auf ernstere Weise - wie in seinem neuen Roman "San Miguel".

von Von Andreas Schröter

, 25.08.2013, 17:10 Uhr / Lesedauer: 1 min
San Miguel

Gegen diesen Wandel ist nichts einzuwenden, und doch geht man als alter Boyle-Fan möglicherweise mit falschen Erwartungen an seine heutigen Bücher. Eines ist jedoch geblieben: Boyle verwendet oft historische Vorbilder.Drei Frauenschicksale In "San Miguel" sind es drei Frauen, die zu unterschiedlichen Zeiten auf der ansonsten unbewohnten kalifornischen Insel San Miguel gelebt haben: Den Anfang macht die schwindsüchtige Marantha, die 1888 mit ihrem herrschsüchtigen Mann Will auf die Insel kommt. Er will dort Schafe züchten.

Marantha geht es immer schlechter, und sie erträgt die raue Situation auf der Insel nur äußerst schlecht. Der zweite Teil widmet sich der Adoptivtochter des Paares, Edith. Weil sie noch nicht volljährig ist, zwingt Will sie nach Maranthas Tod, ebenfalls mit ihm auf der Insel zu leben. Doch sie plant die Flucht. Erst Elise, die viele Jahre später mit ihrem Mann auf die immer noch unwirtliche Insel zieht, scheint dort ihr Glück zu finden ...

Das Buch leidet ein wenig darunter, dass bereits im Klappentext sehr viel von der Handlung vorweggenommen wird. Zwar bleibt es so immer noch lesenswert für historisch oder an besonderen Frauenschicksalen interessierte Leser, allerdings fehlt die Spannung weitgehend. "San Miguel" ist ein stilsicher geschriebener Roman, dessen Erzählstrom stetig und ruhig dahinfließt, ohne die ganz großen Höhepunkte zu bieten. Man ist niemals versucht, ihn beiseitezulegen, aber manchmal wünscht man sich dann doch die alte Boylesche Fabulierlust zurück.

T.C. Boyle: San Miguel, Hanser, 22,90 Euro, ISBN 978-3-446-24323-1.

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