Satanisten-Mörder Daniel R. freigesprochen

Keine Beweise

Satanisten-Mörder Daniel R. kann nun doch auf seine schnelle Entlassung aus dem Gefängnis hoffen. Der 41-jährige Hertener ist am Donnerstag freigesprochen worden. Laut Urteil gibt es keine Beweise für ein neues Mordkomplott.

BOCHUM

01.06.2017, 12:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
Satanisten-Mörder Daniel R. freigesprochen

Daniel R. (l.) kann nach seinem Freispruch auf eine baldige Entlassung hoffen.

Kaum war das Urteil gesprochen, gab es ein zustimmendes Nicken von Daniel R. Dann lehnte sich der 41-Jährige entspannt zurück. Knapp eine Stunde zuvor hatte er sogar noch aus dem 5. Buch Moses zitiert und dabei gefordert, seine Ex-Brieffreundin, die ihn angezeigt hatte, nun ebenfalls anzuklagen - wegen Falschaussage. Wörtlich referierte Daniel R.: "Wer einen anderen Menschen wissentlich und willentlich, aus persönlichen, niedrigen Beweggründen anzeigt, ihn als negativ hinstellt, ihn brandmarkt und mit sadistischer Freude darauf hinarbeitet, dass jemand in Gefangenschaft gerät, obgleich sich dieser nicht schuldig gemacht hat, der ist nicht nur seiner Mitmenschen, sondern auch des Rechtsstaats ärgster Feind."

Aussage der Zeugin nicht belastbar

Dem 41-Jährigen war vorgeworfen worden, nach dem grausamen Ritualmord von 2001 aus der Haft heraus auch die Ermordung seiner Ex-Frau geplant zu haben. Die Tat sollte laut Anklage von seiner Brieffreundin ausgeführt werden, die er 2010 kennen gelernt hatte. Die 34-Jährige war jedoch zur Polizei gegangen (allerdings erst vier Jahre später) und hatte damit die vorzeitige Entlassung des Angeklagten auf Bewährung verhindert.

Nach Ansicht des Bochumer Schwurgerichts habe sich auf die Aussage der Zeugin jedoch keine Verurteilung stützen lassen. Sie sei einfach zu widersprüchlich gewesen. "Der Eindruck, den die Zeugin hier gemacht hat, war verheerend", sagte Richterin Petra Schönenberg-Römer. "Sie hat stets eine neue Variante erzählt, wenn man sie auf etwas gestoßen hat."

Auch Staatsanwältin glaubte Geschichte nicht 

Ob die Zeugin nun allerdings tatsächlich wegen Falschaussage angeklagt wird, ist unklar. Fakt ist allerdings: Auch die Staatsanwältin hat ihr am Ende nicht mehr geglaubt. "Ihre Aussage ist widersprüchlich", sagte die Anklagevertreterin in ihrem Plädoyer vor dem Bochumer Schwurgericht. Sie mache Denkfehler, ein Tatnachweis sei so nicht zu führen. 

Daniel R. war Anfang 2002 zu 15 Jahren Haft verurteilt worden, weil er gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau einen Arbeitskollegen bestialisch ermordet hatte - bei einem Satansritual mit 66 Hammerschlägen und Messerstichen.

Daniel R. könnte bald entlassen werden

Dass er trotz der abgelaufenen Haftzeit noch im Gefängnis ist, hat zwei Gründe: Erstens ist die Haftzeit noch einmal um knapp zwei Jahre verlängert worden, weil ein Aufenthalt in der Psychiatrie nicht angerechnet worden ist. Zweitens ist eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung mehrfach an den Mordkomplott-Vorwürfen der Ex-Brieffreundin gescheitert.

Nach dem Freispruch kann sich Daniel R nun allerdings gute Hoffnung machen, seinen nächsten Geburtstag im August in Freiheit feiern zu können. Sein Verteidiger Hans Reinhardt will noch in diese Woche einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung stellen.