„Saul“: Die dunkle Seite der Macht

Oper Dortmund

Nach dem "Elias" von Mendelssohn und den "Jahreszeiten" von Haydn hat die Dortmunder Oper am Samstag mit Händels "Saul" ein weiteres Oratorium szenisch auf die Bühne gebracht. Allerdings ist das Händel-Werk nicht so dramatisch wie das von Mendelssohn. Und so ist das ein Abend, der nicht mehr als ganz nett ist.

DORTMUND

, 26.04.2015 / Lesedauer: 3 min
„Saul“: Die dunkle Seite der Macht

Hannes Brock (Mitte) als Hohepriester mit der Königsfamilie (v.l.): David (Ileana Mateescu), Jonathan (Lucian Krasznec), Saul (Christian Sist) und Merab (Tamara Weimerich).

Barockoper ist in Dortmund kein Magnet. Nicht mal das Parkett war bei der Premiere voll; am Schluss gab es höflichen Applaus, aber keine große Begeisterung.

Katharina Thoma inszeniert auf einem weißen Podest (Bühne: Sibylle Pfeiffer) in einem schwarzen Raum, mit wenigen Requisiten. Das Podest ist der Thron, auf den Saul schon in der Ouvertüre geschubst wird und auf dem er später stirbt. Originell ist, wie aus der Platte Stühle und Bänke nach oben fahren.

Samuel erscheint

Von der Decke schwebt hin und wieder eine weitere weiße Tafel. Sie wird später zum Grab für Saul - wie sein Sohn Jonathan stirbt, sieht man jedoch nicht. Am eindrucksvollsten ist, wenn die Platte zur Video-Projektionsfläche wird und der Prophet Samuel dort erscheint. - Herauf beschworen von der Hexe von Endor (sehr präsent: Hannes Brock) mit origineller Maske. Das ist die stärkste Szene der zweieinhalb Stunden.

Für Farbtupfer sorgen die manchmal bunten Chorkostüme von Irina Bartels mit Anklängen an die Barockzeit; die Figuren am Königshof sind Menschen unserer Zeit.

Der 42-köpfige Opernchor (glänzend einstudiert von Granville Walker), der die Textmassen mühelos auswendig singt, ist neben Saul der Hauptdarsteller. Aber Thoma führt ihn nur als Masse, lässt ihn schreiten und stehen. Sehr spannend ist das nicht.

Glänzende Solisten

Sehenswert ist die Aufführung im Dortmunder Opernhaus wegen der glänzenden Solisten, mit denen die Dortmunder Oper seit drei Jahren verwöhnt. Bassist Christian Sist ist groß - an Statur, Stimme und Ausstrahlung - in der Titelrolle des launischen Königs.

Mezzosopranistin Ileana Mateescu, in einer weiteren hervorragend gespielten Hosenrolle, ist als David, die Feindfigur, Schwiegersohn und Nachfolger des Königs, eine Traumbesetzung und mit warmer, in sich ruhender Stimme ein fantastischer Gegenpol. Und koloraturgewandt ist sie auch.

Leuchtende Barockklänge

Lucian Krasznec lässt seinen Tenor leuchten als Sauls Sohn Jonathan, findet auch schöne Barockfarben. Ebenso wie die Dortmunder Philharmoniker unter Leitung von Motonori Kobayashi. Julia Amos und Tamara Weimerich sind in den Rollen von Jonathans gegensätzlichen Schwestern ebenfalls bestens besetzt.

In Erinnerung bleiben wenige starke Bilder wie die Szene an den Särgen oder die Samuel-Beschwörung für ein Liebhaberpublikum.

 

Termine: 8./17./24.5., 18./20./ 26.6., Karten: Tel. (0231) 5 02 72 22.