Schafherde blökte in Goebbels "De Materie"-Inszenierung

Ruhrtriennale

Schiffsbau im 17. Jahrhundert in den Niederlanden, eine mittelalterliche Nonne, Piet Mondrians bunte Quadrate und die Nobelpreis-Rede von Marie Curie. Immer geht es um "De Materie". Aber Louis Andriessens Oper bleibt ein bunter Bilderbogen, die Zusammenhänge sind lose.

DUISBURG

, 17.08.2014, 14:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schafherde blökte in Goebbels "De Materie"-Inszenierung

Ein Zeppelin leitet eine Schafherde im vierten Akt der Oper über die Bühne.

Erstmals nach der Uraufführung wurde das Werk Freitagabend bei der Ruhrtriennale in der Kraftzentrale im Landschaftspark Duisburg-Nord aufgeführt. Der 75-jährige, niederländische Komponist kann Ruhrtriennale-Intendant Heiner Goebbels dankbar sein, dass er seine Oper in dieser Halle inszeniert hat. Die starken Bilder in den vier, je halbstündigen, nahtlos aneinandergefügten Akten versöhnen mit der sperrigen Musik. Sogar eine Schafherde mit über 60 blökenden Tieren bietet Goebbels auf.

Drei Zeppeline kreisen im ersten Akt über sechs weißen Häusern (Bühne: Klaus Grünberg), in denen im Takt der Musik in einer Schiffwerft gehämmert wird. 144 schneidende Akkorde eröffnen die Oper, in der zunächst alles Rhythmus und Kraft ist.

Der Kontrast ist der zweite Akt, eine Nonnenszene mit der Mittelalter-Autorin Begine Hadewijch aus Brabant. Mit farbigerer Musik, aber sehr statisch und spirituell.

Am schönsten ist der dritte Akt, der einzige, den man gerne noch einmal sehen würde. Bunte Lichtkugeln rotieren an Maschinenarmen, die Mondrians Linien in die Luft malen. Zwei Tänzer tanzen Charleston; die Halle wird zum 20er-Jahre-Varieté.

Mondrians Quadrate und Curies Nobelpreis-Rede

Das Orchester (das großartige Ensemble Modern unter Leitung von Peter Rundel) fährt mit dem Graben als Bar-Kapelle über die Bühne. Spielerisch geht Goebbels auch mit Mondrians Quadraten um, und Andriessen hat da zündend, auch mal eingängig komponiert.

Das berühmte Bild von Marie Curie im Labor stellt Goebbels am Schluss des vierten Aktes nach. Andriessens Musiktheater wird zum Theater ohne Musik als die Physikerin aus ihrer Nobelpreis-Rede und Tagebüchern rezitiert.

Vorher gehört die Bühne der Schafherde, die sich vom Zeppelin über die Bühne leiten lassen. Es gibt Spannenderes, als Tieren beim Weiden ohne Weide zuzuschauen. Ein Schelm, der denkt, dass mancher im Publikum genauso blöd auf das Geschehen auf der Bühne schaut, wie die Schafe.Kondition gefragt

Großartig sind die Solisten und das Chorwerk Ruhr, die mit Riesenpräzision agieren. Aber die Aufführung fordert Kondition. Man sollte schon ein sehr großer Opernfreund sein, wenn man sich eine Karte kauft.

Termine: 22., 23., 24.8.; Karten: Tel. (0221) 28 02 10.

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