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Schauspielerische Leistung stärker als die Geschichte

Premiere im Rottstr5

Was passiert, wenn fünf Coaches für ein Wochenende alleine in einer Waldhütte eingeschlossen sind? Diese interessante Ausgangsfrage stellt sich das Stück „Zu spät, zu spät, zu spät“ von Lothar Kittsein, das nach seiner Uraufführung in Köln nun auch im Rottstr5-Theater gezeigt wurde.

BOCHUM

von Von Nathanael Ullmann

, 15.11.2013
Schauspielerische Leistung stärker als die Geschichte

Das Stück "Zu spät, zu spät, zu spät" im Rottstr5-Theater überzeugt vor allem durch die schauspielerische Leistung der Akteure.

Ein wenig erinnert die Situation, die dem Zuschauer präsentiert wird, an eine Mischung aus „Zehn kleine Negerlein“ von Agatha Christie und „Warten auf Godot“ von Samuel Becket, endet dann aber doch ganz anders, undurchsichtiger: Eigentlich wollen die fünf Coaches nur das Weiterbildungsseminar „work and life“ besuchen, aber als sie in der stillen Waldhütte ankommen, ist niemand da. Das Wegfahren verhindert ein umgestürzter Baum.

Und so beginnen mit der Zeit die Spekulationen, ob das alles etwa Teil des Seminars ist, ob sich unter den Teilnehmern gar der verdeckte Seminarleiter befindet. Aber mit der Zeit fallen auch die Masken. Die Coaches, ausgebildet um Leuten in schwierigen Lebenslagen zu helfen, offenbaren ihre eigene Hilfslosigkeit. Die Stärke des Stücks ist nur bedingt das Skript, denn, was die Protagonisten ausdrücken, ist dem Zuschauer wohlbekannt. Neue Fragestellungen ergeben sich in dem von Michael Lippold inszenierten Werk im Grunde nur durch das mehrdeutige Ende, sonst stellt sich „Zu spät, zu spät, zu spät“ mehr als ironischer Spiegel auf die Gesellschaft dar.

Was die wahre Stärke des Stücks ist, ist die schauspielerische Leistung. Die fünf Schauspieler schaffen es in den 100 Minuten, glaubhafte, packende Charaktere auf der Bühne zu erschaffen, die trotz spärlichen Bühnenbilds (fünf Wände, stets neu zusammengestellt) nicht langweilen lassen. Sei es die scheinbar allwissende Tarotkarten-Coachin (Karin Moog), der genervte Handyfetischist (Bernhard Bauer) oder die schlichtweg überragend gespielte Alleskönnerin (Karin Kettling): Allemal sind sie einzigartig und pointiert gezeichnet.  

Nächster Termin:
Eine weitere Vorstellung ist für Freitag, 15. November, um 19.30 Uhr im Rottstr5-Theater, Rottstraße 5, angesetzt. Reservierung an karten@rottstr5-theater.de.