Schavan schämt sich für Plagiats-Affäre

Guttenberg

Der Rückhalt für Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in den eigenen Reihen bröckelt. Mit Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hat sich erstmals eine Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel und Kabinettskollegin kritisch zur Plagiats-Affäre geäußert. Merkel selbst steht aber weiter zu Guttenberg.

Berlin

von dpa

, 28.02.2011, 12:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Rückhalt für Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg schmilzt langsam dahin.

Der Rückhalt für Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg schmilzt langsam dahin.

«Als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat und in seinem Berufsleben viele Doktoranden begleiten durfte, schäme ich mich nicht nur heimlich», sagte Schavan der «Süddeutschen Zeitung». «Wissenschaft hat auch mit Vertrauen zu tun. Auf die Erklärung, eine Arbeit sei nach bestem Wissen und Gewissen verfasst worden, muss ein Doktorvater vertrauen können.» Niemand solle auf die Idee kommen, «dass ich den Vorgang für eine Lappalie halte». Die Ministerin sagte aber auch: «Er hat eine zweite Chance verdient, zumal doch alle wissen, dass er ein großes politisches Talent ist.» Mehr als 25 000 Doktoranden wandten sich in einem Brief im Internet an Merkel. Sie kritisieren darin die Äußerung der Kanzlerin, sie habe mit Guttenberg keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter, sondern einen Minister eingestellt. «Dies ist eine Verhöhnung aller wissenschaftlichen Hilfskräfte sowie aller Doktorandinnen und Doktoranden, die auf ehrliche Art und Weise versuchen, ihren Teil zum wissenschaftlichen Fortschritt beizutragen», heißt es in dem Brief.

Bundestagspräsident Lammert soll die Affäre und ihre Begleitumstände als «Sargnagel für das Vertrauen in unsere Demokratie» bezeichnet haben. So habe er sich am Freitag vor Abgeordneten der SPD-Arbeitsgruppe Demokratie geäußert, berichtete die «Mitteldeutsche Zeitung» aus Halle. Ein Sprecher Lammerts sagte, das Gespräch sei vertraulich gewesen, ohne sich den Inhalten zu äußern. Zuvor hatte sich Lammert bereits kritisch darüber geäußert, dass Guttenberg Arbeiten des Wissenschaftlichen Dienstes im Bundestag ohne Quellenhinweis und möglicherweise ohne Genehmigung verwendet hat. CSU-Chef Horst Seehofer nahm den angeschlagenen Parteikollegen in Schutz. Lammerts Reaktion sei «unangemessen», sagte er in München. «Es besteht nicht der geringste Zweifel, dass die Partei geschlossen zu ihrem Minister Karl-Theodor zu Guttenberg steht.»

Der forschungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Martin Neumann, gab Guttenberg noch «eine, maximal zwei Wochen Zeit», um die Plagiats- und Täuschungsvorwürfe auszuräumen. «Wenn er die Umstände seiner Promotion weiter so im Unklaren lässt, halte ich ihn als Minister und obersten Dienstherren von zwei Bundeswehruniversitäten nicht mehr für tragbar», sagte er der «Financial Times Deutschland». Die Universität Bayreuth hatte Guttenberg seinen Doktortitel aberkannt, weil seine Dissertation zu großen Teilen aus Texten anderer Autoren besteht - aber ohne Hinweis. Guttenberg räumte schwere Fehler ein, bestreitet aber einen Vorsatz.

Der Bundeswehrverband stellte sich grundsätzlich vor den Minister, zeigte sich aber auch kritisch. «Ich habe mir nicht vorstellen können, dass der Umbau der Bundeswehr unter so unsicheren Aussichten angefasst wird. Ich finde das auch außerordentlich belastend», sagte der Vorsitzende, Oberst Ulrich Kirsch, der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung». Er äußerte sich außerdem unzufrieden über Guttenbergs Reformvorschläge für das Ministerium. In der ARD sagte er: «Seine Glaubwürdigkeit ist angekratzt, das ist gar keine Frage.» Es gebe aber einen Weg. «Er muss dieses Ministerium führen, und zwar straff.»  Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht unterdessen weiter zu ihrem Verteidigungsminister. „Der Bundesverteidigungsminister genießt das Vertrauen und die Unterstützung der Bundeskanzlerin. Daran hat sich nichts geändert in den letzten Tagen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Er räumte aber ein, dass es um ernste Vorwürfe gehe. „Das ist ein in der Wissenschaft sehr ernster Vorgang.“ Nun wirke Guttenberg aber auf dem „sehr anderen Arbeitsfeld“ als Minister.